Archiv der Kategorie: Reisegeschichten

Roadtrip durch den Sunshine State

Unser diesjähriger Haupturlaub führt uns zwei Wochen in die USA. Der Flug ist diesmal sehr luxuriös: Zum ersten Mal in unserem Leben fliegen meine Tochter und ich Lufthansa Business-Class. Das ist ein Erlebnis für sich. Weißes Leinen-Tischtücher und Servietten, echte Gläser und Geschirr, exquisites Essen, hübsch angerichtet, einen Sessel, den man zum Bett ausfahren kann, so viel Platz, dass man trotzdem nicht an den Vordermann stößt  – ich bin echt baff. Ich kann schon verstehen, dass man – wenn man das einmal erlebt hat – nie mehr „Holzklasse“ fliegen will.

Entsprechend ausgeruht kommen wir in Chicago am O-Hare-Flughafen an. Ein Shuttle bringt ins zu unserem Hotel, das etwa eine Viertelstunde vom Flughafen entfernt liegt. Dort richten wir uns in unserem Zimmer mit zwei riesigen Queensize-Betten ein. Den Nachmittag verbringen wir in einem zu Fuß zu erreichenden Fashion-Outlet in direkter Nachbarschaft. Allerdings stellen wir schnell fest: Schnäppchen lassen sich dort nicht finden, die Preise sind recht gesalzen. Ohne Beute kommen wir wieder ins Hotel zurück und machen dort ein kleines Schläfchen, da uns doch die Zeitumstellung ein bisschen zu schaffen macht. Gegen später bummeln wir zu einer Fress-Mall, wo wir ganz in der Nähe des Chicago Hofbrauhaus (gibt es tatsächlich!) ein sehr freqentiertes Restaurant namens Park Tavern finden,  wo es üppige Burger und Home Cut Fries gibt. Was essen die Amis für riesige Portionen! Wir werden aufpassen müssen, dass wir nicht spickfett zurückfliegen.   Schon vor 21 Uhr Ortszeit liegen wir im Bett – erledigt von dem langen Tag und den vielen Eindrücken.

Samstag sind wir recht früh auf den Beinen und nehmen in der Hotellobby noch einen Coffee for free, bevor uns das Hotel-Shuttle wieder zum Flughafen bringt. Dort frühstückt jeder noch ein bisschen nach seiner Fasson, ehe wir dann am frühen Nachmittag Ortszeit mit American Airlines weiterfliegen nach Miami. Man kann sich nicht sattsehen an so manchen Mitreisenden, die in Socken und Badelatschen das Flugzeug besteigen, auch farbenfrohe Leggins über ausladenden Formen machen dem Betrachter Freude. In Miami empfangen uns Wind und sehr milde Temperaturen – angenehm nach dem kalten Chicago.  Am Mietwagenschalter herrscht Überfüllung – und wir müssen einige Zeit auf unseren Wagen warten. Schließlich bekommen wir einen sehr komfortablen Nissan Quest mit 260 PS. Er wird in den nächsten 14 Tagen die Konstante unserer Rundreise sein. 

Mit ihm steuern wir Miami City an. Die abendliche Skyline mit den vielen erleuchteten Hochhäusern ist schon beeindruckend. Schließlich erreichen wir über eine Brücke das vorgelagerte Miami Beach und arbeiten uns durch den dichten Verkehr und ungezählte Nachtschwärmer vor zum Ocean Drive. Unser Hotel Penguin ist eines der legendären Art-Deco-Hotels, und unser Eckzimmer im Obergeschoss bietet einen atemberaubenden Blick auf Palmen und Meer.

Nach einem kleinen Einkaufsbummel, bei dem wir uns mit dem Nötigsten versorgen, gibts noch einen kleinen Schlummertrunk. Anschließend fallen wir müde in unsere Queensize-Betten. Um uns herum tobt das Nachtleben, und man fühlt sich wie in einer Filmkulisse, Cruiser lassen die schweren Motoren ihrer Motorräder oder Karossen  aufröhren, Reifen quietschen und in der Ferne hört man die amerikanischen Polizeisirenen jaulen – Miami Vice lässt grüßen.

Am Sonntagmorgen sind meine Tochter und ich bereits um 6 Uhr wach. Wir schlendern zum Strand und bewundern den Sonnenaufgang über dem Meer und einen jagenden Pelikan im seichten Wasser. Anschließend gibt es ein sehr ordentliches Frühstück auf der Hotel-Terrasse mit Blick über den Ocean Drive. Man erzählt uns, dass es dort heute eine große Gay-Pride-Parade mit anschließendem Festival gibt. Während wir einen Strandspaziergang machen, wird die ganze Küstenstraße geräumt und abgesperrt, und ab 11 beginnt dann ein großes Spektakel, zu dem offensichtlich Schwule und Lesben aus ganz Florida angereist sind. Den ganzen Tag geht es vor unserem Hotel sehr bunt, sehr schrill, sehr fröhlich zu.

Abends machen wir dann nochmal einen Strandspaziergang in der tiefstehenden Abendsonne, die die bunten Baywatch-Häuschen wunderschön anstrahlt. Mit einem nahrhaften Sandwich lasse ich den Abend ausklingen. Die Sonne und die vielen Eindrücke haben mich müde gemacht. Um 21 Uhr Ortszeit liege ich bereits im Bett.

Wieder beginnt der Tag mit einem grandiosen Sonnenaufgang, ehe wir uns wieder im Hotel Penguin das Frühstück schmecken lassen. Nach zwei wunderschönen Tagen nehmen wir Abschied von South Miami Beach und nehmen Kurs auf die Keys. Die Fahrt beschert uns spektakuläre Ausblicke auf eine einzigartige Landschaft mit türkisfarbenen Wasserflächen und Mangroven-Inseln. Einmal sehe ich Delfine. Etwa dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt über die schmalen Keys und die Brücken, die sie verbinden.

Unsere nächste Station ist das Sugarloaf Key Lodge. Diese Unterkunft punktet besonders mit der Nähe zum Wasser (ein paar Meter vom Balkon aus) und einer grandiosen Aussicht. Am Spätnachmittag machen wir gleich einen Ausflug an das rund 20 Meilen entfernte Ende der Keys: Key West. Der Ort ist hübsch, mit historisch-pittoresken Holzhäuschen – allerdings sehr überlaufen mit Touristen. An der Mole hat ein riesiges Kreuzfahrtschiff festgemacht und seine ganzen Gäste an Land gespuckt. Kleinkünstler und Ramschverkäufer buhlen um ihre Aufmerkamkeit.  Hier ein paar Eindrücke von Key West:

Zurück in unserer Lodge genießen wir die Abendsonne vor der Tikibar – bei einem Budweiser und einem kalifornischen Weißwein aus  eigenen Beständen. Wir lernen Brandon kennen, der mit zwei  Kollegen mit einem Motorboot an der Tikibar angelegt hat und sich für unsere Herkunft interessiert.

Am Dienstag  besuchen wir nochmals Key West und bummeln die Duval-Street entlang, besuchen den Southern Most Point und genießen noch einmal das karibische Flair der Keys. Entspannt lassen wir den Tag in unserer Lodge mit Pizza ausklingen.

Wieder packen wir unsere Koffer und ziehen weiter. Heute geht es wieder zurück  über die unzähligen Inselchen und Brücken aufs Festland. Wir sind nun ganz im Süden Floridas, in den Sümpfen der Everglades. Als ich in den Gräben entlang der Straße meinen ersten Alligator sehe, denke ich noch, ich halluziniere. Aber es kommen noch einige dazu. Von der Straße aus bekommt man schon einen Eindruck der üppigen Fauna und Flora der Sümpfe. Außer unzähligen kleinen und großen Alligatoren sehen wir mächtige Schildkröten und verschiedene Reiher-Arten, die zwischen Mangroven und Schilf auf Nahrungssuche sind. Am Nachmittag erreichen wir unser Hotel „Port of the Islands“  mitten im Nirgendwo der Sümpfe. Hier steigen wohl vor allem ältere Angler ab.  Am Pool verbringen wir den Rest des Tages. Abends gehen wir im Hotelrestaurant teuer und schlecht essen.

Donnerstag morgen packen wir erneut unsere Sachen und fahren ein Stück hinein in die Everglades. Bei Captain Jack buchen wir eine Fahrt mit dem Airboat durch die Mangrovensümpfe. Eine Stunde lang tuckern wir durch kleine Seen und Mangroventunnel. Wir sehen dabei eine kleine Gruppe von Bottleneck-Delfinen. Ich hätte gerne auch ein paar Alligatoren oder Schlangen von Nahem gesehen – aber die Airboote machen  dermaßen Krach, dass sich sicher alle Tiere aus dieser Region entfernt halten. Immerhin macht es ziemlich Spaß, mit Vollgas durch die Tunnel zu heizen. Ist ein bisschen wie Achterbahn.

Nach unserer Tour brechen wir auf Richtung Golf von Mexiko.  Unser Ziel ist der Badeort St. Petersburg. Auch er hat – wie Miami- eine vorgelagerte Insel: Trasure Island. Unser Quartier ist diesmal richtig skurril: „The Strands“ ist ein Motel aus dem Jahr 1947 – und die Zeit scheint in den fünfziger Jahren stehen geblieben zu sein. Zimmermöblierung und Pool wirken noch original – allerdings mit entsprechenden Abnutzungserscheinungen. Man darf nicht allzu scharf in die Ecken schauen. Das Bad sieht original aus wie das von Norman Bates in „Psycho“. Aber das Motel liegt direkt am breiten und feinsandigen Strand und es hat einen sehr familiären Charakter. Wir lernen eine sehr nette Familie aus Ohio kennen: Bret und Becky mit ihrer 11-jährigen Tochter Grace. Bret ist Lehrer und sehr kommunikativ. Wir unterhalten uns mit den dreien über Gott und die Welt, Politik und  und räumen mit einigen Klischees auf, die wir gegenseitig über DIE Deutschen und DIE Amerikaner haben. Schön ist, dass  auch die Jungen bei unseren Gesprächen emsig mitmischen. Das war vor ein paar Jahren in London noch ganz anders 😉

Freitag (hier ist nicht zu spüren, dass Karfreitag ist) machen wir ausführliche Strandspaziergänge und hängen ein bisschen ab. Abends schmeißen wir den öffentlichen Grill neben dem Pool an und machen ein „Grill-Out“ mit allerhand Leckereien aus dem örtlichen Publix-Supermarkt. Alles ist hier sehr entspannt und das Wetter ist herrlich warm und trocken. Einen Sonnenuntergang in allen schillernden Farben beschließt den Tag.

Samstag ist unser letzter Tag auf Treasure Island. Wir laden unsere Nachbarn aus Ohio zu einem gemeinsamen abendlichen Grill-Out ein. Zu unserer Verwunderung sind sie Vegetarier. Ich hätte gar nicht gedacht, dass man die hier findet 🙂 Jedenfalls fahren wir gemeinsam einkaufen, und sie bereichern das Grill-Buffet mit Folienkartoffeln und gegrilltem Mais. Er wird übrigens vorher gewässert und dann komplett in der Schale auf den Grill gelegt. Wir tauschen Adressen aus mit unseren neuen Freunden. Sie sind uns in den paar Tagen richtig ans Herz gewachsen.

Am Oster-Sonntag sehen wir im Motel eine Frau, die einen mit Hühnerfedern verzierten Hut trägt. Eine andere versteckt Plastik-Eier in den Dünen. Sehr merkwürdige Sitten hier. Wir packen unsere Koffer und beladen wieder unseren treuen Nissan. Er bringt uns in einer Fahrt von rund zwei Stunden nach Kissimmee in der Nähe von Orlando. Nach einem erneuten unvermeidlichen Großeinkauf im örtlichen Walmart beziehen wir unser nächstes – und bislang luxuriösestes Quartier: ein weiträumiges und sehr gut ausgestattetes Ferienhaus mit Terrasse, Gasgrill und Pool – an einem künstlichen See gelegen –  in einer Wohn-/Feriensiedlung in Kissimee. Nachdem wir uns installiert haben, lassen wir den Abend am Pool gemütlich ausklingen.

Heute besuchen wir die Universal-Studios von Orlando,  etwa eine halbstündige Fahrt von Kissimee gelegen. Ich bin kein Freund von Freizeitparks und habe sie immer gemieden, wenn ich konnte. Aber weil meine Tochter sich so darauf freut, will ich kein Spielverderber sein. Aber es ist alles so quietschbunt, so voll, so teuer! Wir besuchen mehrere Parkbereiche, die verschiedenen Filmen oder Serien gewidmet sind: Shrek und Simpsons, Man in Black und Transformers, Die Rache der Mumie und Harry Potter. Harry Potter ist der sicher am aufwändigsten gestaltete Parkbereich mit dem Grimauld-Platz und dem fahrenden Ritter, dahinter gehts über den Bahnhof King’s Cross in die Winkelgasse mit den detailgetreuen Ladenfassaden aus den Harry Potter-Filmen. Hinter den hübschen Fassaden lauern allerdings nur Läden, in denen ekstatische Kinder  Devotionalien zu überteuerten Preisen erwerben. Hier müssen täglich Plastik-Zauberstäbe für zehntausende Dollar über den Tresen gehen. Die Themenbereiche sind immer ähnlich aufgebaut: Es gibt einen Anstell-/Wartebereich (manchmal bis zu eine Stunde), hier wird man mithilfe von  Absperrgittern an Videos oder Dekorationen aus den Filmen entlanggeschleust. Danach gibt es ein Fahrgeschäft oder Motion-Ride in 3D oder 4D, in dem man kräftig durchgeschüttelt wird. Anschließend kann man themenspezifischen Kruschd für teuer Geld erwerben.  Am späten Nachmittag qualmen uns die Füße, todmüde machen wir uns auf den Heimweg. Zu später Stunde wird noch einmal der Grill angeworfen. Noch nie war ich in diesem Urlaub so müde!

Heute ist Dienstag, und wir gönnen uns einen ruhigen Vormittag mit langem Ausschlafen und gemütlichem Frühstück auf unserer Pool-Terrasse. Nachmittags machen wir einen Ausflug in eine riesige Shopping-Mall mit zig Marken-Outlets. Was für eine Auswahl!!! Ich bin echt überfordert.

Man muss aber genau hinschauen: Ich habe den Verdacht, dass in einigen Läden die Ware mit Fabelpreisen etikettiert wird, und dann suggerieren Schilder mit „60 Percent off“, dass es hier wunderbare Schnäppchen gibt. Aber meine Tochter ist voll in ihrem Element und betreibt Power-Shopping, und ich finde immerhin einen ganz hübschen neuen Geldbeutel für mich.  Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir eine ältere Frau vor einem Rollstuhl auf dem Gehweg liegen, offensichtlich kollabiert, während jemand nicht besonders professionell eine Herzmassage macht und andere gerade den Notruf informieren.  Das berührt und beschäftigt uns. So nahe liegen oberflächlicher Konsum und die elementaren Dinge des Lebens beieinander.

Am nächsten Tag ist eigentlich wieder Freizeitpark dran. Ich trete allerdings in Streik und verbringe den Tag mit Lesen und Sonnenbaden auf der Terrasse. Die Terrassen sind hier übrigens alle mit einer wintergartenartigen Metallkonstruktion überbaut und komplett mit Insektengittern eingefasst. Ein Indiz dafür, dass es in der feuchteren Jahreszeit unfassbar viele Mücken gibt. Jedenfalls hat man so das Gefühl, in einer riesigen Voliere zu sitzen. Die Tierwelt tummelt sich allerdings draußen: Ein recht eindrucksvoller Greifvogel jagt nach Eidechsen, ein neugieriges Eichhörnchen beäugt uns von draußen, und abends suchen große Gänse-artige Vögel im Gras nach Futter.

Den Donnerstag verbringen wir nochmal in einer anderen Einkaufsmall (hier finde ich ein paar schöne Schuhe) und mit dem Besorgen einiger Mitbringsel. Ein letztes Mal kochen wir abends (Nudeln mit Hackfleischsoße) und sitzen dann bei Budweiser und Weißwein gemütlich auf der Terrasse. Wir haben uns in dem Ferienhaus in Kissimee sehr wohlgefühlt und nehmen Freitag morgen mit etwas Bedauern Abschied.

Nun steuern wir das letzte Zwischenziel unserer Rundreise an: Fort Lauderdale. In diesem beliebten Badeort, den mehr Wasserstraßen als Aut0straßen durchziehen,  logieren wir vier Gehminuten vom Atlantik im Motel Shore Haven, Ein letztes Mal die salzige Atlantikluft schnuppern, der letzte Becher Wein unter Palmen, der letzte wunderschöne Sonnenaufgang am Strand – ein sonniger und erholsamer Urlaub neigt sich dem Ende zu. Morgen machen wir uns wieder auf den Rückweg ins eisige Deutschland. Hoffentlich nehmen wir die Sonne mit….

 

 

 

 

 

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Teneriffa – Insel mit Sonne und Schattenseiten

Noch einmal Sonne und Wärme tanken, bevor die kalte Jahreszeit anbricht – das war die Motivation, über meinen Geburtstag für eine Woche nach Teneriffa abzuschwirren. Ein Condor-Flug brachte uns Sonntagnachmittag von Frankfurt zum Flughafen Teneriffa Süd. Kurze Zeit später hatten wir unseren Mietwagen, einen recht neuen Renault Clio. Unsere Basis ist ein kleines, aber gut ausgestattetes Ferienappartement in Poris de Abona. Der Ort liegt im kargen Südosten der Insel, von unserem Balkon kann man den Sonnenaufgang über dem Meer und bei günstigen Wetterverhältnissen  auch die etwa 120 km entfernte Nachbarinsel Gran Canaria sehen.

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Poris ist – zum Glück – ein kleiner Ort, nicht so zersiedelt und vom Tourismus verschandelt wie manche andere auf der Insel. Der Ort hat einen Supermarkt und eine nette Kneipe mit nicht mal 20 Sitzplätzen, einen etwas abgelegenen Leuchtturm, ansonsten gibt es nicht viel zu entdecken. Daher machen wir ausgiebig von unserem Mietwagen Gebrauch, mit dem wir die Insel erkunden.

Montag: Wir besuchen den Süden der Insel, der über die größten Strände verfügt. Hier zeigt sich, was Teneriffa der Massentourismus und der Bauboom vor der Finanzkrise angetan hat. Wie Krebszellen fressen sich Siedlungen, Appartementanlagen und Hotelkomplexe den Hang hinauf – alles scheint ohne stadtplanerisches Konzept angelegt. Ganz schlimm. Trotzdem finden wir ein ganz nettes Strandrestaurant, in dem wir Thunfisch mit kanarischen Kartoffeln und Mojo Verde essen. Lecker.

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Wir verlassen die Küste und fahren Richtung Insel-Inneres. Dabei staunen wir über die riesigen Höhenunterschiede. Immerhin erhebt sich der Gipfel des Teide 3.718 Meter hoch über den Meeresspiegel und ist damit immerhin der höchste Berg Spaniens. Das Mietauto hat mit den Serpentinen ganz schön zu kämpfen, die sich die Hänge hochschrauben. Faszinierend sind die unterschiedlichen Vegetationszonen: Unten Kakteen und Sträucher, dann kommen Wälder mit langhaarigen Fichten, ganz oben auf 2.000 Metern wächst fast gar nichts mehr, Wolken verhüllen die Sicht, es nieselt, kahle Lavafelder sehen so aus, als wären sie eben erst erkaltet. Wir fahren am Rand des Nationalparks vorbei und staunen über die wilde und eigentümliche Natur. Hierher wollen wir bei bessen Wetter- und Sichtverhältnissen zurückkehren.

Dienstag: Wir machen einen Ausflug Richtung Norden an der Küste entlang und landen in Santa Cruz de Tenerife. Der erste Eindruck der Stadt ist nicht sehr ansprechend: Man fährt erstmal durch Industriegebiete und Raffineriegelände, ehe man ins geschäftige Stadtzentrum kommt. Wir schlendern herum, schauen uns den Hafen an, bummeln durch die Stadt und finden einen sehr hübschen Stadtpark mit Gewürzbeeten und blühenden Bäumen und Sträuchern, wo wir einen Kaffee trinken.

Das Highlight des Tages ist eine sehr originelle Kneipe, in der wir wunderbar essen.

Den Abend lassen wir in Poris im Café a Mar ausklingen, wo wir einen der raren Sitzplätze ergattern können.

Mittwoch: Heute ist morgens erstmals klares Wetter – ohne Bewölkung im Landesinneren. Wir starten daher sehr früh Richtung Nationalpark – diesmal aber nicht von Süden her, sondern von Nord-Osten. Wir folgen der Grat-Straße, die uns schwindelerregende Aussichtspunkte auf die Ostseite und auf die Westseite der Insel gewährt, und nähern uns dem majestätischen Gipfel des Teide. Die Vulkanlandschaft der Canadas  ist wirklich spektakulär, und man kann nur erahnen, welche Gewalten bei der Erschaffung der Inselgruppe am Werk waren. Immer wieder halten wir an, um Farben und Formen der Lavafelder zu bewundern und den riesigen Krater zu bestaunen. Trotz unserer Jacken ist der Aufenthalt im Freien – wegen der empfindlich kalten Außentemperatur und des pfeifenden Windes – allerdings äußerst ungemütlich.

Nachdem wir den Tag über viel im Auto gesessen sind, machen wir abends eine kleine Wanderung zum Leuchtturm von Poris.

Donnerstag: Wir entscheiden uns zu einem Abstecher nach El Medano, einem Hotspot für Surfer. Bei strammem Wind können wir Kite- und Windsurfer bei ihren spektakulären Ritten durch die Brandung bewundern.

 

Auf dem Rückweg folgen wir dem Tipp unserer Vermieterin und machen Station in einem Fischerdorf, wo wir in einer kleinen Kneipe hervorragend Fisch essen. Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt!!!

Freitag: Auf der Suche nach lohnenden Ausflugszielen sind wir auf La Laguna gestoßen, eine kleine Stadt im Landesinneren. Sie hat einen ganz hübschen Ortskern, in dem wir uns eine Weile herumtreiben. Später fahren wir weiter nach Puerto de la Cruz im Westen der Insel. Hier staunen wir über die völlig andere Flora: Der Westen ist viel grüner als unser karger Osten. Auch hier finden wir ein paar nette Ecken. Am Hafen finden wir eine offensichtlich stark frequentierte Kneipe, in der wir wieder hervorragend Fisch essen.

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Samstag: Heute wollen wir uns die Pyramiden von Güimar anschauen. Ein netter Museumskomplex, der die mysteriösen Steinbauten einschließt, ist dem Forscher Thor Heyerdahl gewidmet. Dieser vertrat die These, dass möglicherweise ein früher Austausch (vor den Wikingern und Christoph Kolumbus) zwischen unterschiedlichen Kulturen dazu führte, dass sowohl im Mittleren Osten, Ozeanien als auch auf dem amerikanischen Kontinent Pyramiden angelegt wurden, und bewies durch seine Expeditionsreisen, dass so ein Austausch möglich gewesen wäre. Neben dieser Thematik erfährt man auch viel über die Geschichte der Kanaren, über seine Entstehungs- und Siedlungsgeschichte, über seine endemische Pflanzenwelt und über seine wechselhafte Wirtschaftsgeschichte.

Sonntag: Und schon ist die Woche vorbei. Ein letztes Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die aufgehende Sonne, ein letzter Blick auf den Atlantik mit seinen Schaumkronen, dann wird der Koffer gepackt und es geht zurück ins kalte Deutschland. Teneriffa, Du warst keine Liebe auf den ersten Blick für mich. Die Menschen sind nicht sehr gut mit Dir umgesprungen. Man hat Dich kahlgeholzt, zersiedelt und verschandelt. Daher weiß auch nicht, ob ich Dich nochmal wiedersehen will. Aber es war auf alle Fälle eine erholsame Woche voller interessanter neuer Eindrücke.

 

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Sal – Insel über dem Wind

Türkisfarbener Atlantik, weißer Sandstrand, Sonne satt und Hängematte – so wünschte sich meine Tochter nach dem Abitur ihre Ferien. Auf Sal, einer Insel der Kapverden, haben wir genau das gefunden.

Die Anreise war anstrengend: Wir starteten morgens um kurz nach acht mit der Bahn Richtung Stuttgart. Ein ICE brachte uns zum Flughafen Frankfurt. Mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP ging es dann zunächst nach Lissabon. Erst nach sechs Stunden startete der Weiterflug nach Sal. Bis wir schließlich im Hotel ankamen, dürften rund 20 Stunden Reisezeit vergangen sein.

Eingemietet hatten wir uns im Hotel Odjo d’Agua, einer netten, nicht zu großen Anlage. Für einen Aufpreis hat unser Zimmer einen herrlichen Blick über den ganzen Strand von Santa Maria, und von meinem Bett aus kann ich die Surfer die Brandungswellen reiten sehen. Das Rauschen der Wellen, die sich unter uns an den Felsen brechen, wiegt uns abends in den Schlaf. Wir wohnen Luftlinie nicht mehr als 15 Meter vom Wasser entfernt. Auch die ersehnte Hängematte hat sich gefunden: Jedes Zimmer besitzt eine. Im Halbschatten unserer Terrasse lässt es sich darin trefflich dösen und lesen, es ist der Lieblingsplatz meiner Tochter geworden.

Sal ist eine winzige Insel, ein Fliegenschiss im Ozean, rund zwanzig Kilometer lang und zehn Kilometer breit. An Sehenswürdigkeiten bietet sie nicht allzu viel. Alle Arten von Wassersport kann man hier treiben: Segeln, Tauchen, Wellenreiten, Jet-Ski und weitere Sachen, deren Namen ich nicht mal weiß. Und wenn der Passat bläst, wird Sal zu einem Hotspot der Kite-Surfer. Im Moment bin ich aber ganz froh, dass der Wind nicht ganz so bläst – ich kann mir vorstellen, dass man dann am Strand wie ein Schnitzel paniert wird. Jedenfalls ist das Wasser so klar, dass wir beim Frühstück in etwa zehn Meter Entfernung einen Fischschwarm im Wasser verfolgen konnten.

Das Wetter hat uns anfangs ein bisschen enttäuscht. Am ersten Tag empfing uns ein wolkenverhangener Himmel. Inzwischen haben wir gelernt, dass das an den meisten Tagen so ist, aber die Wolken dann doch meist aufreißen. Und dann muss man sich echt in Acht nehmen von der Sonne, die senkrecht vom Himmel brennt. Wegen des Windes merkt man gar nicht, wie schnell man sich einen Sonnenbrand einfängt.

Unser Hotel liegt am Anfang der langgezogenen Bucht von Santa Maria. Das touristische Zentrum findet mal einige hundert Meter entfernt am Anlegesteg. Hier haben Tauch- und Surfschulen ihre Basen und gehen fliegende Händler auf Kundenfang. Auch landen Fischer hier ihren Fang an. Die Männer liegen anschließend dösend auf den Netzen, während die Frauen die Fische gleich vor Ort schuppen und filetieren. Thunfisch ist hier eine Spezialität, und wir sahen auch, wie dieser auf dem Kai zerlegt wurde. Sogar ein Schwertfisch war dabei –  und kleinere Fische, die ich nicht identifizieren konnte. Die Einheimischen zerlegen die Fische gleich vor Ort, Kopf ab, Schwanz und Flossen ab, für mich ein Indiz, dass der Fang nicht für einen Markt bestimmt ist, sondern gleich in die Küchen der Restaurants wandert. Ich probierte hier Fischspieße und Fischsuppe, Spaghetti mit Meeresfrüchten – für Menschen, die Fisch mögen, ist Sal ein echtes Eldorado. Auch eine spezielle Art Muscheln wird hier offensichtlich gern gegessen. Diese sehen allerdings nicht aus wie Muscheln, eher wie Austern oder Korallen. Sie haben eine kegelförmige, sehr borkige Gestalt und schmale, kraterförmige Öffnungen, aus denen der Esser mit einem speziellen Edelstahl-Dorn das Fleisch herausfuhrwerkt.

An einem Vormittag machten wir einen Ausflug zum Markt. Ich weiß nicht, ob wir zu spät waren, aber es waren nur zwei oder drei Obst- und Gemüsestände in Betrieb – und die Auswahl war überschaubar. Eines der Highlights war unser abendliches Barbeque am Strand. Ein leckeres Buffet mit gegrilltem Huhn und Thunfisch, offenes Feuer brannte am Strand, ein Piano spielte, über uns romantisch beleuchtete Palmen – und unser Tisch nur fünf Meter vom Meer entfernt. Ein Feuerschlucker zeigte seine Kunststücke, ein Paar führte temperamentvolle kapverdische Tänze vor.  Zum Schluss tanzte die ganze Gästeschar mit.

Ansonsten haben wir jeder etwa täglich ein Buch gelesen und waren ansonsten unendlich faul. Und ich denke, das hatten wir uns nach den ganzen Abitur-Aufregungen auch verdient….

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Zaungast bei der World Federation of Company Sport 3

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Freitag ist Tag 2 der Wettkämpfe der World Federation of Company Sport. Die Golfer haben noch lahme Beine von gestern und den ersten Muskelkater. Die Petanque-Spieler müssen ganz früh aufstehen, andere starten erst sehr spät (Leichtathletik). Die Schachspieler hatten ja den ersten Tag  frei und beginnen ihren Wettkampftag erst heuten, dafür aber stilvoll mit einem Glas Sekt am Frühstücksbuffet. So ist recht.  Abends werden dann Spielstände verglichen und Erlebnisse ausgetauscht. Erfolgreichste Einzelsportlerin ist Kollegin Helga, die in fünf Leichtatlethik-Disziplinen in ihrer Altersklasse startete und mit vier Gold- und einer Silbermedaillen nach Hause fahren kann. Herzlichen Glückwunsch!  Freitag Abend feiern wir auch in den Geburtstag von Kollegin Andrea hinein. Um Mitternacht gibt es ein Ständchen und Sekt für alle. Hier noch ein paar sportliche Impressionen.

Samstag ist der dritte und letzte Wettkampftag, der mit einem Abschlussevent in Palma endet. Leider sind nicht alle unsere Sportler dabei, da sich die Goldturniere bis in den Abend hinein erstrecken.  Krönendes Finale ist ein wunderbares Feuerwerk, das man auch noch vom Mannschaftsquartier in Illetas aus bewundern kann.

Sonntag heißt es dann nach einer sonnigen und fröhlichen Woche Abschied nehmen von den 22 Kolleginnen und Kollegen. Einige sind mir richtig ans Herz gewachsen, so dass ich mir durchaus wieder vorstellen könnte, dabei zu sein, wenn es im nächsten Jahr zu den Europäischen Betriebssportspielen im belgischen Gent geht.

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Zaungast bei der World Federation of Company Sport 2

 

P1010244Am Mittwoch ging es zur Akkreditierung und zur Eröffnungsfeier in das nahe gelegene Palma, die Hauptstadt Mallorcas. Im Parc de la Mar trafen sich die Sportler aus den unterschiedlichsten Nationen. Frankreich ist wohl am stärksten vertreten – und durch ihre einheitliche Ausrüstung mit weißen Hüten, blauen Trikots und Trikolore-Fahnen gaben die französischen Teilnehmer ein tolles Bild ab. Besonders gute Stimmung verbreiteten die Jung von Airbus, die große aufgeblasene Flugzeuge schwenkten und auch sonst für jeden Quatsch zu haben waren. Die Eröffnungsfeier an sich war ein bisschen merkwürdig – mit einem Moderator, der nicht besonders gut vorbereitet schien und recht schlecht englisch sprach, einem Orchester, das nicht angekündigt wurde, etlichen Grußworten von Honoratioren (für die sich niemand interessierte) und einem Einmarsch der Gladiatoren, der von Ordnern in schrillen Trillerpfeifen begleitet wurde. Es war ja eigentlich auch kein Publikum da, das den Einmarsch feierte. So feierten sich die Teilnehmer selber.  Dann gab es noch eine Kultur-Einlage mit mallorquinischer Musik (bestehend aus Dudelsack und Trommel) und zwei Tänzern und weißen Overalls mit grünen und roten Flecken und einer Hörnermaske und einem großen Pfahl in den Händen, die sich umkreisten und einen Kampf andeuteten. Und zum Abschluss machte ein DJ Musik, zu der sich ein Tänzer mit freiem Oberkörper und zwei leicht bekleidete Tänzerinnen lasziv, aber etwas gelangweilt auf der Bühne bewegten. Nun ja, ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber das jedenfalls nicht.

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Am nächsten Morgen starteten dann unsere Sportler zu  ihren Wettkämpfen. Manche mussten extrem früh los, andere konnten entspannt frühstücken und erst mittags ihre Wettkampfstätten aufsuchen. Der versprochene Shuttle-Service funktionierte meist nicht, und so waren die meisten Sportler erstmal hektisch damit befasst, sich Taxis oder Mitfahrgelegenheiten zu organisieren. Nur unsere Schachspieler  hatten noch einen freien Tag, den sie erstmal mit Sektfrühstück einläuteten. Über das Schachspielen habe ich bei der Gelegenheit nicht viel gelernt, eigentlich nur, dass es immer auf den Gegner ankommt.  Äh ja.

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Zaungast bei der World Federation of Company Sport 1

Ich habe Gelegenheit, die 20-köpfige Mannschaft der Schwäbisch Hall-Gruppe bei ihren Wettkämpfen auf Mallorca zu begleiten. Heute ist Dienstag. Bereits am Sonntag sind die ersten neun BSH-Sportler angereist – auf eigene Kosten, versteht sich. In der Nähe von Palma, im kleinen von Tourismus geprägten Küstenort Illetas, haben sie Quartier genommen. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt, in großer Runde sitzen die Kollegen morgens zum Frühstück und beim täglichen Abendessen zusammen. Vertreten sind bislang die Sportarten Golf und Patenque (eine Sportart, ähnlich dem Boule).

Ich lerne über Patenque, dass die kleine Zielkugel „Schweinchen“ heißt. Dass man nicht aus dem Handgelenk, sondern aus der Schulter werfen sollte. Dass beim Patenque die Füße geschlossen und innerhalb einer Markierung bleiben müssen. Dass es sehr auf die Beschaffenheit des Untergrunds ankommt. Dass die Franzosen die ewigen Favoriten sind. Und dass es beim Werfen auch einen Rückspin gibt (als ich den nachvollziehe, haue ich ein Glas Orangensaft über den Frühstückstisch und verzichte danach auf weitere Details).

Ich begleite drei der fünf Golfspieler zu einem der drei Golfplätze, auf dem das Turnier ausgetragen wird. Vom Hotel schraubt sich der Fußweg etliche Höhenmeter nach oben, entlang an luxuriösen Anwesen, wo die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen wohnen. Mallorca ist ein wahres Eldorado für Golfer: Hier können sie auf rund 35 Plätzen von März bis November ihrem Hobby nachgehen. Ich lerne über Golf, dass hier eine strenge Kleiderordnung herrscht und Polohemd mit Kragen Pflicht ist. Dass eine Runde Golf auf einem 18-Loch-Platz bedeutet, dass man etwa fünf Stunden und etliche Kilometer in praller Sonne mit einer schweren Golftasche unterwegs ist. Dass in der Golftasche 14 verschiedene Schläger für verschiedene Schlagsituationen sind. Und dass man auf manchen Golfplätzen – speziell denen, die von Wasser umgeben sind – einen großen Ballvorrat braucht. Schön ist übrigens, dass bei Golfturnieren Fast-Profis (der beste BSH-Golfer hat ein Handicap von 3) und  Anfänger (Handicap 34) gemeinsam spielen können und alle dabei Spaß haben.

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Schneezauber

Eine ganze Woche Ski-Urlaub – welch ein Luxus. Mein letzter Urlaub im Schnee liegt schon sieben oder acht Jahre zurück, und ich war mir im Vorfeld gar nicht sicher, ob ich noch auf den Brettern stehen kann.

Das Skigebiet Montafon ist bei Hallern sehr beliebt, weil es schnell und gut zu erreichen ist. Schon vor 25 Jahren habe ich in Gaschurn mit Freunden Wochenenden im Schnee verbracht – ich denke gern daran zurück. Diesmal ist der Ort Schruns das Ziel. Nach nur 3 Stunden und 9 Minuten Fahrzeit ist das Ziel erreicht. Das oberhalb des Orts gelegene Chalet Christl bietet nicht nur einen wunderbaren Blick über Schruns, sondern auch vier sehr komfortable und sehr gut ausgestattete Ferienwohnungen. Eine davon ist unsere.

Bei unserer Ankunft steht ein riesiger Schwarm Krähen über dem Tal. „Dann gibt es Schnee“, sagt die Vermieterin und schenkt uns großzügig aus einer nicht etikettierten Flasche Schnaps ein. „Zitronen-Birne“, sagt sie mit Kennerblick, während sich eine brennende Spur ihren Weg in meinen Magen bahnt.

Den Anreisetag nutzen wir für einen Großeinkauf im örtlichen Supermarkt mit dem netten Namen Sutterlütti. Als erstes decken wir uns mit einem zwölf Monate gereiften Bergkäse ein. Was für ein Geschmackserlebnis! Auch hier ist  – wie in unserer Dorfkäserei Geifertshofen – das Label „Heumilchkäse“ ein Zeichen für Qualität.

Die Krähen hatten übrigens recht: Den ganzen Abend, die ganze Nacht gibt es dichtes Schneetreiben. Die Schneepflüge sind die ganze Nacht unterwegs, um der Schneemassen Herr zu werden.

Am nächsten Morgen machen wir uns zu Fuß den steilen Weg hinunter ins Dorf. Dreimal zieht es mir die Füße weg, als ich unter dem dicken Neuschnee auf vereisten Untergrund gerate. Mit der Gondel geht es hinauf zur Bergstation, wo wir unsere Skiausrüstung und ein Ski-Depot (ein beheiztes Spindfach für  Skier und Skischuhe) reserviert haben. Jetzt könnte es eigentlich losgehen, doch draußen herrscht ein Schneesturm, der einem  eisig ins Gesicht fegt und die Sicht nimmt. Wir versuchen es, doch man sieht teilweise keine zehn Meter weit.

Das ist zu gefährlich, gerade für mich, die dieses Skigebiet nicht kennt und sich – sobald ich den Anschluss an die Gruppe verliere – hoffnungslos verfahren würde. Gegen Mittag deponieren wir die Skier in den Schränken und machen uns auf den Heimweg.

Am Montag erwartet uns ein strahlender Sonnentag mit azurblauem Himmel und wunderbarem Schnee. Er entschädigt uns für das gestrige Sauwetter. Wir fahren Ski, biss wir nicht mehr können und die Oberschenkelmuskulatur jault. Bei solchen Bedingungen macht es so richtig Spaß.

Dienstag und Mittwoch ist das Wetter nicht ganz so gut. Mittwoch morgen beschließen wir daher, die Skier gegen Schlitten zu tauschen und heizen mit vier Leuten auf drei Schlitten einen ca. 5 km langen Ziehweg hinunter. Das geht nicht ohne gelegentliche Havarien ab – und großem Gelächter.

Der Donnerstag ist wieder ein Traumtag mit Sonne satt und herrlichen Pisten. Wir sind schon um zehn Uhr auf den Brettern und fahren – abgesehen von 30 min. Mittagspause – bis 15 Uhr. Danach sind wir schon recht erschöpft, beschließen aber wegen des wunderbaren Wetters, zu Fuß von der Bergstation zur Mittelstation zu gehen. Das ist der 5 km lange Schlittenweg von gestern. Nachdem uns die Gondel nach Schrunz heruntergebracht hat, machen wir ein paar Besorgungen im Dorf, ehe wir uns dann brotfertig zu unserem Quartier hochschleppen. Eine Dusche und eine Stunde in der Infrarotkabine heben wieder die Lebensgeister. Ich muss sagen: Die Infrarotkabine ist ein echter Pluspunkt im Chalet Christl. Die Tiefenwärme entspannt die beanspruchten Muskeln und tut gerade dem Rücken gut. Und der Blick vom Balkon ist zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Erlebnis.

Auch am Freitag erwartet uns wieder wunderbares Wetter und beste Schneebedingungen. Wir genießen unseren letzten Skitag und fahren nochmal all unsere Lieblingspisten herunter. Abends geben wir unsere Skier wieder ab und räumen unseren Depotschrank. Nach einem letzten Aufenthalt in der Wärmekabine gibt es deftige Kässpätzle – lecker.

An unserem Abfahrtag ist das Wetter wieder umgeschlagen. Es schneit, was die tiefhängenden Wolken hergeben. Wir sind früh aufgestanden und haben unsere Sachen gepackt, schon um 8 Uhr sind wir abfahrbereit. Vorsichtig fahren wir die Anhöhe herunter, die wir all die Tage nach dem Skifahren so müde heraufgelaufen sind. Letzte Einkäufe, Tanken, dann machen wir uns auf den Heimweg. Ein wunderbarer, entspannender Winterurlaub liegt hinter uns – eine Woche mit drei Sonnentagen, viel Schnee, einer wunderbaren Landschaft und netten Menschen.


 

 

 

 

 

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