Roadtrip durch den Sunshine State

Unser diesjähriger Haupturlaub führt uns zwei Wochen in die USA. Der Flug ist diesmal sehr luxuriös: Zum ersten Mal in unserem Leben fliegen meine Tochter und ich Lufthansa Business-Class. Das ist ein Erlebnis für sich. Weißes Leinen-Tischtücher und Servietten, echte Gläser und Geschirr, exquisites Essen, hübsch angerichtet, einen Sessel, den man zum Bett ausfahren kann, so viel Platz, dass man trotzdem nicht an den Vordermann stößt  – ich bin echt baff. Ich kann schon verstehen, dass man – wenn man das einmal erlebt hat – nie mehr „Holzklasse“ fliegen will.

Entsprechend ausgeruht kommen wir in Chicago am O-Hare-Flughafen an. Ein Shuttle bringt ins zu unserem Hotel, das etwa eine Viertelstunde vom Flughafen entfernt liegt. Dort richten wir uns in unserem Zimmer mit zwei riesigen Queensize-Betten ein. Den Nachmittag verbringen wir in einem zu Fuß zu erreichenden Fashion-Outlet in direkter Nachbarschaft. Allerdings stellen wir schnell fest: Schnäppchen lassen sich dort nicht finden, die Preise sind recht gesalzen. Ohne Beute kommen wir wieder ins Hotel zurück und machen dort ein kleines Schläfchen, da uns doch die Zeitumstellung ein bisschen zu schaffen macht. Gegen später bummeln wir zu einer Fress-Mall, wo wir ganz in der Nähe des Chicago Hofbrauhaus (gibt es tatsächlich!) ein sehr freqentiertes Restaurant namens Park Tavern finden,  wo es üppige Burger und Home Cut Fries gibt. Was essen die Amis für riesige Portionen! Wir werden aufpassen müssen, dass wir nicht spickfett zurückfliegen.   Schon vor 21 Uhr Ortszeit liegen wir im Bett – erledigt von dem langen Tag und den vielen Eindrücken.

Samstag sind wir recht früh auf den Beinen und nehmen in der Hotellobby noch einen Coffee for free, bevor uns das Hotel-Shuttle wieder zum Flughafen bringt. Dort frühstückt jeder noch ein bisschen nach seiner Fasson, ehe wir dann am frühen Nachmittag Ortszeit mit American Airlines weiterfliegen nach Miami. Man kann sich nicht sattsehen an so manchen Mitreisenden, die in Socken und Badelatschen das Flugzeug besteigen, auch farbenfrohe Leggins über ausladenden Formen machen dem Betrachter Freude. In Miami empfangen uns Wind und sehr milde Temperaturen – angenehm nach dem kalten Chicago.  Am Mietwagenschalter herrscht Überfüllung – und wir müssen einige Zeit auf unseren Wagen warten. Schließlich bekommen wir einen sehr komfortablen Nissan Quest mit 260 PS. Er wird in den nächsten 14 Tagen die Konstante unserer Rundreise sein. 

Mit ihm steuern wir Miami City an. Die abendliche Skyline mit den vielen erleuchteten Hochhäusern ist schon beeindruckend. Schließlich erreichen wir über eine Brücke das vorgelagerte Miami Beach und arbeiten uns durch den dichten Verkehr und ungezählte Nachtschwärmer vor zum Ocean Drive. Unser Hotel Penguin ist eines der legendären Art-Deco-Hotels, und unser Eckzimmer im Obergeschoss bietet einen atemberaubenden Blick auf Palmen und Meer.

Nach einem kleinen Einkaufsbummel, bei dem wir uns mit dem Nötigsten versorgen, gibts noch einen kleinen Schlummertrunk. Anschließend fallen wir müde in unsere Queensize-Betten. Um uns herum tobt das Nachtleben, und man fühlt sich wie in einer Filmkulisse, Cruiser lassen die schweren Motoren ihrer Motorräder oder Karossen  aufröhren, Reifen quietschen und in der Ferne hört man die amerikanischen Polizeisirenen jaulen – Miami Vice lässt grüßen.

Am Sonntagmorgen sind meine Tochter und ich bereits um 6 Uhr wach. Wir schlendern zum Strand und bewundern den Sonnenaufgang über dem Meer und einen jagenden Pelikan im seichten Wasser. Anschließend gibt es ein sehr ordentliches Frühstück auf der Hotel-Terrasse mit Blick über den Ocean Drive. Man erzählt uns, dass es dort heute eine große Gay-Pride-Parade mit anschließendem Festival gibt. Während wir einen Strandspaziergang machen, wird die ganze Küstenstraße geräumt und abgesperrt, und ab 11 beginnt dann ein großes Spektakel, zu dem offensichtlich Schwule und Lesben aus ganz Florida angereist sind. Den ganzen Tag geht es vor unserem Hotel sehr bunt, sehr schrill, sehr fröhlich zu.

Abends machen wir dann nochmal einen Strandspaziergang in der tiefstehenden Abendsonne, die die bunten Baywatch-Häuschen wunderschön anstrahlt. Mit einem nahrhaften Sandwich lasse ich den Abend ausklingen. Die Sonne und die vielen Eindrücke haben mich müde gemacht. Um 21 Uhr Ortszeit liege ich bereits im Bett.

Wieder beginnt der Tag mit einem grandiosen Sonnenaufgang, ehe wir uns wieder im Hotel Penguin das Frühstück schmecken lassen. Nach zwei wunderschönen Tagen nehmen wir Abschied von South Miami Beach und nehmen Kurs auf die Keys. Die Fahrt beschert uns spektakuläre Ausblicke auf eine einzigartige Landschaft mit türkisfarbenen Wasserflächen und Mangroven-Inseln. Einmal sehe ich Delfine. Etwa dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt über die schmalen Keys und die Brücken, die sie verbinden.

Unsere nächste Station ist das Sugarloaf Key Lodge. Diese Unterkunft punktet besonders mit der Nähe zum Wasser (ein paar Meter vom Balkon aus) und einer grandiosen Aussicht. Am Spätnachmittag machen wir gleich einen Ausflug an das rund 20 Meilen entfernte Ende der Keys: Key West. Der Ort ist hübsch, mit historisch-pittoresken Holzhäuschen – allerdings sehr überlaufen mit Touristen. An der Mole hat ein riesiges Kreuzfahrtschiff festgemacht und seine ganzen Gäste an Land gespuckt. Kleinkünstler und Ramschverkäufer buhlen um ihre Aufmerkamkeit.  Hier ein paar Eindrücke von Key West:

Zurück in unserer Lodge genießen wir die Abendsonne vor der Tikibar – bei einem Budweiser und einem kalifornischen Weißwein aus  eigenen Beständen. Wir lernen Brandon kennen, der mit zwei  Kollegen mit einem Motorboot an der Tikibar angelegt hat und sich für unsere Herkunft interessiert.

Am Dienstag  besuchen wir nochmals Key West und bummeln die Duval-Street entlang, besuchen den Southern Most Point und genießen noch einmal das karibische Flair der Keys. Entspannt lassen wir den Tag in unserer Lodge mit Pizza ausklingen.

Wieder packen wir unsere Koffer und ziehen weiter. Heute geht es wieder zurück  über die unzähligen Inselchen und Brücken aufs Festland. Wir sind nun ganz im Süden Floridas, in den Sümpfen der Everglades. Als ich in den Gräben entlang der Straße meinen ersten Alligator sehe, denke ich noch, ich halluziniere. Aber es kommen noch einige dazu. Von der Straße aus bekommt man schon einen Eindruck der üppigen Fauna und Flora der Sümpfe. Außer unzähligen kleinen und großen Alligatoren sehen wir mächtige Schildkröten und verschiedene Reiher-Arten, die zwischen Mangroven und Schilf auf Nahrungssuche sind. Am Nachmittag erreichen wir unser Hotel „Port of the Islands“  mitten im Nirgendwo der Sümpfe. Hier steigen wohl vor allem ältere Angler ab.  Am Pool verbringen wir den Rest des Tages. Abends gehen wir im Hotelrestaurant teuer und schlecht essen.

Donnerstag morgen packen wir erneut unsere Sachen und fahren ein Stück hinein in die Everglades. Bei Captain Jack buchen wir eine Fahrt mit dem Airboat durch die Mangrovensümpfe. Eine Stunde lang tuckern wir durch kleine Seen und Mangroventunnel. Wir sehen dabei eine kleine Gruppe von Bottleneck-Delfinen. Ich hätte gerne auch ein paar Alligatoren oder Schlangen von Nahem gesehen – aber die Airboote machen  dermaßen Krach, dass sich sicher alle Tiere aus dieser Region entfernt halten. Immerhin macht es ziemlich Spaß, mit Vollgas durch die Tunnel zu heizen. Ist ein bisschen wie Achterbahn.

Nach unserer Tour brechen wir auf Richtung Golf von Mexiko.  Unser Ziel ist der Badeort St. Petersburg. Auch er hat – wie Miami- eine vorgelagerte Insel: Trasure Island. Unser Quartier ist diesmal richtig skurril: „The Strands“ ist ein Motel aus dem Jahr 1947 – und die Zeit scheint in den fünfziger Jahren stehen geblieben zu sein. Zimmermöblierung und Pool wirken noch original – allerdings mit entsprechenden Abnutzungserscheinungen. Man darf nicht allzu scharf in die Ecken schauen. Das Bad sieht original aus wie das von Norman Bates in „Psycho“. Aber das Motel liegt direkt am breiten und feinsandigen Strand und es hat einen sehr familiären Charakter. Wir lernen eine sehr nette Familie aus Ohio kennen: Bret und Becky mit ihrer 11-jährigen Tochter Grace. Bret ist Lehrer und sehr kommunikativ. Wir unterhalten uns mit den dreien über Gott und die Welt, Politik und  und räumen mit einigen Klischees auf, die wir gegenseitig über DIE Deutschen und DIE Amerikaner haben. Schön ist, dass  auch die Jungen bei unseren Gesprächen emsig mitmischen. Das war vor ein paar Jahren in London noch ganz anders 😉

Freitag (hier ist nicht zu spüren, dass Karfreitag ist) machen wir ausführliche Strandspaziergänge und hängen ein bisschen ab. Abends schmeißen wir den öffentlichen Grill neben dem Pool an und machen ein „Grill-Out“ mit allerhand Leckereien aus dem örtlichen Publix-Supermarkt. Alles ist hier sehr entspannt und das Wetter ist herrlich warm und trocken. Einen Sonnenuntergang in allen schillernden Farben beschließt den Tag.

Samstag ist unser letzter Tag auf Treasure Island. Wir laden unsere Nachbarn aus Ohio zu einem gemeinsamen abendlichen Grill-Out ein. Zu unserer Verwunderung sind sie Vegetarier. Ich hätte gar nicht gedacht, dass man die hier findet 🙂 Jedenfalls fahren wir gemeinsam einkaufen, und sie bereichern das Grill-Buffet mit Folienkartoffeln und gegrilltem Mais. Er wird übrigens vorher gewässert und dann komplett in der Schale auf den Grill gelegt. Wir tauschen Adressen aus mit unseren neuen Freunden. Sie sind uns in den paar Tagen richtig ans Herz gewachsen.

Am Oster-Sonntag sehen wir im Motel eine Frau, die einen mit Hühnerfedern verzierten Hut trägt. Eine andere versteckt Plastik-Eier in den Dünen. Sehr merkwürdige Sitten hier. Wir packen unsere Koffer und beladen wieder unseren treuen Nissan. Er bringt uns in einer Fahrt von rund zwei Stunden nach Kissimmee in der Nähe von Orlando. Nach einem erneuten unvermeidlichen Großeinkauf im örtlichen Walmart beziehen wir unser nächstes – und bislang luxuriösestes Quartier: ein weiträumiges und sehr gut ausgestattetes Ferienhaus mit Terrasse, Gasgrill und Pool – an einem künstlichen See gelegen –  in einer Wohn-/Feriensiedlung in Kissimee. Nachdem wir uns installiert haben, lassen wir den Abend am Pool gemütlich ausklingen.

Heute besuchen wir die Universal-Studios von Orlando,  etwa eine halbstündige Fahrt von Kissimee gelegen. Ich bin kein Freund von Freizeitparks und habe sie immer gemieden, wenn ich konnte. Aber weil meine Tochter sich so darauf freut, will ich kein Spielverderber sein. Aber es ist alles so quietschbunt, so voll, so teuer! Wir besuchen mehrere Parkbereiche, die verschiedenen Filmen oder Serien gewidmet sind: Shrek und Simpsons, Man in Black und Transformers, Die Rache der Mumie und Harry Potter. Harry Potter ist der sicher am aufwändigsten gestaltete Parkbereich mit dem Grimauld-Platz und dem fahrenden Ritter, dahinter gehts über den Bahnhof King’s Cross in die Winkelgasse mit den detailgetreuen Ladenfassaden aus den Harry Potter-Filmen. Hinter den hübschen Fassaden lauern allerdings nur Läden, in denen ekstatische Kinder  Devotionalien zu überteuerten Preisen erwerben. Hier müssen täglich Plastik-Zauberstäbe für zehntausende Dollar über den Tresen gehen. Die Themenbereiche sind immer ähnlich aufgebaut: Es gibt einen Anstell-/Wartebereich (manchmal bis zu eine Stunde), hier wird man mithilfe von  Absperrgittern an Videos oder Dekorationen aus den Filmen entlanggeschleust. Danach gibt es ein Fahrgeschäft oder Motion-Ride in 3D oder 4D, in dem man kräftig durchgeschüttelt wird. Anschließend kann man themenspezifischen Kruschd für teuer Geld erwerben.  Am späten Nachmittag qualmen uns die Füße, todmüde machen wir uns auf den Heimweg. Zu später Stunde wird noch einmal der Grill angeworfen. Noch nie war ich in diesem Urlaub so müde!

Heute ist Dienstag, und wir gönnen uns einen ruhigen Vormittag mit langem Ausschlafen und gemütlichem Frühstück auf unserer Pool-Terrasse. Nachmittags machen wir einen Ausflug in eine riesige Shopping-Mall mit zig Marken-Outlets. Was für eine Auswahl!!! Ich bin echt überfordert.

Man muss aber genau hinschauen: Ich habe den Verdacht, dass in einigen Läden die Ware mit Fabelpreisen etikettiert wird, und dann suggerieren Schilder mit „60 Percent off“, dass es hier wunderbare Schnäppchen gibt. Aber meine Tochter ist voll in ihrem Element und betreibt Power-Shopping, und ich finde immerhin einen ganz hübschen neuen Geldbeutel für mich.  Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir eine ältere Frau vor einem Rollstuhl auf dem Gehweg liegen, offensichtlich kollabiert, während jemand nicht besonders professionell eine Herzmassage macht und andere gerade den Notruf informieren.  Das berührt und beschäftigt uns. So nahe liegen oberflächlicher Konsum und die elementaren Dinge des Lebens beieinander.

Am nächsten Tag ist eigentlich wieder Freizeitpark dran. Ich trete allerdings in Streik und verbringe den Tag mit Lesen und Sonnenbaden auf der Terrasse. Die Terrassen sind hier übrigens alle mit einer wintergartenartigen Metallkonstruktion überbaut und komplett mit Insektengittern eingefasst. Ein Indiz dafür, dass es in der feuchteren Jahreszeit unfassbar viele Mücken gibt. Jedenfalls hat man so das Gefühl, in einer riesigen Voliere zu sitzen. Die Tierwelt tummelt sich allerdings draußen: Ein recht eindrucksvoller Greifvogel jagt nach Eidechsen, ein neugieriges Eichhörnchen beäugt uns von draußen, und abends suchen große Gänse-artige Vögel im Gras nach Futter.

Den Donnerstag verbringen wir nochmal in einer anderen Einkaufsmall (hier finde ich ein paar schöne Schuhe) und mit dem Besorgen einiger Mitbringsel. Ein letztes Mal kochen wir abends (Nudeln mit Hackfleischsoße) und sitzen dann bei Budweiser und Weißwein gemütlich auf der Terrasse. Wir haben uns in dem Ferienhaus in Kissimee sehr wohlgefühlt und nehmen Freitag morgen mit etwas Bedauern Abschied.

Nun steuern wir das letzte Zwischenziel unserer Rundreise an: Fort Lauderdale. In diesem beliebten Badeort, den mehr Wasserstraßen als Aut0straßen durchziehen,  logieren wir vier Gehminuten vom Atlantik im Motel Shore Haven, Ein letztes Mal die salzige Atlantikluft schnuppern, der letzte Becher Wein unter Palmen, der letzte wunderschöne Sonnenaufgang am Strand – ein sonniger und erholsamer Urlaub neigt sich dem Ende zu. Morgen machen wir uns wieder auf den Rückweg ins eisige Deutschland. Hoffentlich nehmen wir die Sonne mit….

 

 

 

 

 

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