Teneriffa – Insel mit Sonne und Schattenseiten

Noch einmal Sonne und Wärme tanken, bevor die kalte Jahreszeit anbricht – das war die Motivation, über meinen Geburtstag für eine Woche nach Teneriffa abzuschwirren. Ein Condor-Flug brachte uns Sonntagnachmittag von Frankfurt zum Flughafen Teneriffa Süd. Kurze Zeit später hatten wir unseren Mietwagen, einen recht neuen Renault Clio. Unsere Basis ist ein kleines, aber gut ausgestattetes Ferienappartement in Poris de Abona. Der Ort liegt im kargen Südosten der Insel, von unserem Balkon kann man den Sonnenaufgang über dem Meer und bei günstigen Wetterverhältnissen  auch die etwa 120 km entfernte Nachbarinsel Gran Canaria sehen.

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Poris ist – zum Glück – ein kleiner Ort, nicht so zersiedelt und vom Tourismus verschandelt wie manche andere auf der Insel. Der Ort hat einen Supermarkt und eine nette Kneipe mit nicht mal 20 Sitzplätzen, einen etwas abgelegenen Leuchtturm, ansonsten gibt es nicht viel zu entdecken. Daher machen wir ausgiebig von unserem Mietwagen Gebrauch, mit dem wir die Insel erkunden.

Montag: Wir besuchen den Süden der Insel, der über die größten Strände verfügt. Hier zeigt sich, was Teneriffa der Massentourismus und der Bauboom vor der Finanzkrise angetan hat. Wie Krebszellen fressen sich Siedlungen, Appartementanlagen und Hotelkomplexe den Hang hinauf – alles scheint ohne stadtplanerisches Konzept angelegt. Ganz schlimm. Trotzdem finden wir ein ganz nettes Strandrestaurant, in dem wir Thunfisch mit kanarischen Kartoffeln und Mojo Verde essen. Lecker.

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Wir verlassen die Küste und fahren Richtung Insel-Inneres. Dabei staunen wir über die riesigen Höhenunterschiede. Immerhin erhebt sich der Gipfel des Teide 3.718 Meter hoch über den Meeresspiegel und ist damit immerhin der höchste Berg Spaniens. Das Mietauto hat mit den Serpentinen ganz schön zu kämpfen, die sich die Hänge hochschrauben. Faszinierend sind die unterschiedlichen Vegetationszonen: Unten Kakteen und Sträucher, dann kommen Wälder mit langhaarigen Fichten, ganz oben auf 2.000 Metern wächst fast gar nichts mehr, Wolken verhüllen die Sicht, es nieselt, kahle Lavafelder sehen so aus, als wären sie eben erst erkaltet. Wir fahren am Rand des Nationalparks vorbei und staunen über die wilde und eigentümliche Natur. Hierher wollen wir bei bessen Wetter- und Sichtverhältnissen zurückkehren.

Dienstag: Wir machen einen Ausflug Richtung Norden an der Küste entlang und landen in Santa Cruz de Tenerife. Der erste Eindruck der Stadt ist nicht sehr ansprechend: Man fährt erstmal durch Industriegebiete und Raffineriegelände, ehe man ins geschäftige Stadtzentrum kommt. Wir schlendern herum, schauen uns den Hafen an, bummeln durch die Stadt und finden einen sehr hübschen Stadtpark mit Gewürzbeeten und blühenden Bäumen und Sträuchern, wo wir einen Kaffee trinken.

Das Highlight des Tages ist eine sehr originelle Kneipe, in der wir wunderbar essen.

Den Abend lassen wir in Poris im Café a Mar ausklingen, wo wir einen der raren Sitzplätze ergattern können.

Mittwoch: Heute ist morgens erstmals klares Wetter – ohne Bewölkung im Landesinneren. Wir starten daher sehr früh Richtung Nationalpark – diesmal aber nicht von Süden her, sondern von Nord-Osten. Wir folgen der Grat-Straße, die uns schwindelerregende Aussichtspunkte auf die Ostseite und auf die Westseite der Insel gewährt, und nähern uns dem majestätischen Gipfel des Teide. Die Vulkanlandschaft der Canadas  ist wirklich spektakulär, und man kann nur erahnen, welche Gewalten bei der Erschaffung der Inselgruppe am Werk waren. Immer wieder halten wir an, um Farben und Formen der Lavafelder zu bewundern und den riesigen Krater zu bestaunen. Trotz unserer Jacken ist der Aufenthalt im Freien – wegen der empfindlich kalten Außentemperatur und des pfeifenden Windes – allerdings äußerst ungemütlich.

Nachdem wir den Tag über viel im Auto gesessen sind, machen wir abends eine kleine Wanderung zum Leuchtturm von Poris.

Donnerstag: Wir entscheiden uns zu einem Abstecher nach El Medano, einem Hotspot für Surfer. Bei strammem Wind können wir Kite- und Windsurfer bei ihren spektakulären Ritten durch die Brandung bewundern.

 

Auf dem Rückweg folgen wir dem Tipp unserer Vermieterin und machen Station in einem Fischerdorf, wo wir in einer kleinen Kneipe hervorragend Fisch essen. Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt!!!

Freitag: Auf der Suche nach lohnenden Ausflugszielen sind wir auf La Laguna gestoßen, eine kleine Stadt im Landesinneren. Sie hat einen ganz hübschen Ortskern, in dem wir uns eine Weile herumtreiben. Später fahren wir weiter nach Puerto de la Cruz im Westen der Insel. Hier staunen wir über die völlig andere Flora: Der Westen ist viel grüner als unser karger Osten. Auch hier finden wir ein paar nette Ecken. Am Hafen finden wir eine offensichtlich stark frequentierte Kneipe, in der wir wieder hervorragend Fisch essen.

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Samstag: Heute wollen wir uns die Pyramiden von Güimar anschauen. Ein netter Museumskomplex, der die mysteriösen Steinbauten einschließt, ist dem Forscher Thor Heyerdahl gewidmet. Dieser vertrat die These, dass möglicherweise ein früher Austausch (vor den Wikingern und Christoph Kolumbus) zwischen unterschiedlichen Kulturen dazu führte, dass sowohl im Mittleren Osten, Ozeanien als auch auf dem amerikanischen Kontinent Pyramiden angelegt wurden, und bewies durch seine Expeditionsreisen, dass so ein Austausch möglich gewesen wäre. Neben dieser Thematik erfährt man auch viel über die Geschichte der Kanaren, über seine Entstehungs- und Siedlungsgeschichte, über seine endemische Pflanzenwelt und über seine wechselhafte Wirtschaftsgeschichte.

Sonntag: Und schon ist die Woche vorbei. Ein letztes Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die aufgehende Sonne, ein letzter Blick auf den Atlantik mit seinen Schaumkronen, dann wird der Koffer gepackt und es geht zurück ins kalte Deutschland. Teneriffa, Du warst keine Liebe auf den ersten Blick für mich. Die Menschen sind nicht sehr gut mit Dir umgesprungen. Man hat Dich kahlgeholzt, zersiedelt und verschandelt. Daher weiß auch nicht, ob ich Dich nochmal wiedersehen will. Aber es war auf alle Fälle eine erholsame Woche voller interessanter neuer Eindrücke.

 

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