Sal – Insel über dem Wind

Türkisfarbener Atlantik, weißer Sandstrand, Sonne satt und Hängematte – so wünschte sich meine Tochter nach dem Abitur ihre Ferien. Auf Sal, einer Insel der Kapverden, haben wir genau das gefunden.

Die Anreise war anstrengend: Wir starteten morgens um kurz nach acht mit der Bahn Richtung Stuttgart. Ein ICE brachte uns zum Flughafen Frankfurt. Mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP ging es dann zunächst nach Lissabon. Erst nach sechs Stunden startete der Weiterflug nach Sal. Bis wir schließlich im Hotel ankamen, dürften rund 20 Stunden Reisezeit vergangen sein.

Eingemietet hatten wir uns im Hotel Odjo d’Agua, einer netten, nicht zu großen Anlage. Für einen Aufpreis hat unser Zimmer einen herrlichen Blick über den ganzen Strand von Santa Maria, und von meinem Bett aus kann ich die Surfer die Brandungswellen reiten sehen. Das Rauschen der Wellen, die sich unter uns an den Felsen brechen, wiegt uns abends in den Schlaf. Wir wohnen Luftlinie nicht mehr als 15 Meter vom Wasser entfernt. Auch die ersehnte Hängematte hat sich gefunden: Jedes Zimmer besitzt eine. Im Halbschatten unserer Terrasse lässt es sich darin trefflich dösen und lesen, es ist der Lieblingsplatz meiner Tochter geworden.

Sal ist eine winzige Insel, ein Fliegenschiss im Ozean, rund zwanzig Kilometer lang und zehn Kilometer breit. An Sehenswürdigkeiten bietet sie nicht allzu viel. Alle Arten von Wassersport kann man hier treiben: Segeln, Tauchen, Wellenreiten, Jet-Ski und weitere Sachen, deren Namen ich nicht mal weiß. Und wenn der Passat bläst, wird Sal zu einem Hotspot der Kite-Surfer. Im Moment bin ich aber ganz froh, dass der Wind nicht ganz so bläst – ich kann mir vorstellen, dass man dann am Strand wie ein Schnitzel paniert wird. Jedenfalls ist das Wasser so klar, dass wir beim Frühstück in etwa zehn Meter Entfernung einen Fischschwarm im Wasser verfolgen konnten.

Das Wetter hat uns anfangs ein bisschen enttäuscht. Am ersten Tag empfing uns ein wolkenverhangener Himmel. Inzwischen haben wir gelernt, dass das an den meisten Tagen so ist, aber die Wolken dann doch meist aufreißen. Und dann muss man sich echt in Acht nehmen von der Sonne, die senkrecht vom Himmel brennt. Wegen des Windes merkt man gar nicht, wie schnell man sich einen Sonnenbrand einfängt.

Unser Hotel liegt am Anfang der langgezogenen Bucht von Santa Maria. Das touristische Zentrum findet mal einige hundert Meter entfernt am Anlegesteg. Hier haben Tauch- und Surfschulen ihre Basen und gehen fliegende Händler auf Kundenfang. Auch landen Fischer hier ihren Fang an. Die Männer liegen anschließend dösend auf den Netzen, während die Frauen die Fische gleich vor Ort schuppen und filetieren. Thunfisch ist hier eine Spezialität, und wir sahen auch, wie dieser auf dem Kai zerlegt wurde. Sogar ein Schwertfisch war dabei –  und kleinere Fische, die ich nicht identifizieren konnte. Die Einheimischen zerlegen die Fische gleich vor Ort, Kopf ab, Schwanz und Flossen ab, für mich ein Indiz, dass der Fang nicht für einen Markt bestimmt ist, sondern gleich in die Küchen der Restaurants wandert. Ich probierte hier Fischspieße und Fischsuppe, Spaghetti mit Meeresfrüchten – für Menschen, die Fisch mögen, ist Sal ein echtes Eldorado. Auch eine spezielle Art Muscheln wird hier offensichtlich gern gegessen. Diese sehen allerdings nicht aus wie Muscheln, eher wie Austern oder Korallen. Sie haben eine kegelförmige, sehr borkige Gestalt und schmale, kraterförmige Öffnungen, aus denen der Esser mit einem speziellen Edelstahl-Dorn das Fleisch herausfuhrwerkt.

An einem Vormittag machten wir einen Ausflug zum Markt. Ich weiß nicht, ob wir zu spät waren, aber es waren nur zwei oder drei Obst- und Gemüsestände in Betrieb – und die Auswahl war überschaubar. Eines der Highlights war unser abendliches Barbeque am Strand. Ein leckeres Buffet mit gegrilltem Huhn und Thunfisch, offenes Feuer brannte am Strand, ein Piano spielte, über uns romantisch beleuchtete Palmen – und unser Tisch nur fünf Meter vom Meer entfernt. Ein Feuerschlucker zeigte seine Kunststücke, ein Paar führte temperamentvolle kapverdische Tänze vor.  Zum Schluss tanzte die ganze Gästeschar mit.

Ansonsten haben wir jeder etwa täglich ein Buch gelesen und waren ansonsten unendlich faul. Und ich denke, das hatten wir uns nach den ganzen Abitur-Aufregungen auch verdient….

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