Auf und davon

Es war an einem Samstag im März vor genau 25 Jahren. Ich hatte mein Diplom als Kauffrau und einen frisch unterschriebenen Anstellungsvertrag  in der Tasche, hatte mich am Abend zuvor von meinen Freunden  verabschiedet und ein paar Habseligkeiten in mein neues Auto, einen feuerroten gebrauchten Nissan Micra, geladen. Ich umarmte meine Eltern und meine Großmutter und fuhr los. Ich weiß noch, dass ich ein paar Tränen wegblinzeln musste und dass ich im Rückspiegel immer wieder den imposanten Kirchturm meiner niederrheinischen Heimatstadt anvisierte, bis er in der Ferne verschwand.

Ich war auf dem Weg nach nach Baden-Württemberg – zu einem neuen Job und zu einem neuen Leben. Schon damals war es mir bewusst, dass dies eine wichtige Zäsur war. Mit einem anderen Job, in einer anderen Stadt hätte sich mein Leben vollkommen  anders entwickelt.

Ich hatte eine Anstellung als Pressereferentin in Baden-Württemberg gefunden, am Montag, 19. März 1990 war mein erster Tag. Jemand aus der Personalabteilung  hatte mir netterweise ein möbliertes Zimmer besorgt. Ich wollte rechtzeitig dort sein und mich ein bisschen in meiner neuen Heimat orientieren. Mit dem Autoatlas, den mein Vater mir zum Abschied geschenkt hatte, navigierte ich mich 400 Kilometer über die Autobahnen. Mühsam fand ich meinen neuen Wohnort, Vellberg. Meine Vermieter gaben mir die Schlüssel für mein neues Domizil. Mich erwartete eine ungeheizte, ungemütliche Einzimmerwohnung im Souterrain. Von einer nahe gelegenen Telefonzelle aus gab ich meiner Familie Bescheid, dass ich gut angekommen sei. Am Sonntag erkundete ich Schwäbisch Hall und meine Umgebung.

Montags stand ich schon um 5.30 Uhr auf, machte mich fein (ich hatte mir von meiner Mutter ein paar Kleider geliehen, weil ich nicht so viel business-geeignete Garderobe besaß), stieg in meine neuen Pumps und nahm meinen ersten Arbeitstag in Angriff. Dass so viele folgen sollten, hätte ich damals nicht gedacht. Damals war mein Plan, vielleicht zwei Jahre zu bleiben und dann wieder – mit etwas Berufserfahrung – wieder zurück in die alte Heimat zu ziehen. Aber es kam dann doch anders. Meine Arbeit gefiel mir – und gefällt mir immer noch. Ich habe die Qualitäten meines Arbeitgebers mit den Jahren schätzen gelernt.Ein gutes Team mit tollen Kollegen gebildet. Und habe auch ein bisschen die schwäbischen Ideale übernommen: ein Haus gebaut, ein Kind bekommen – und ja, einen Baum habe ich auch gepflanzt. Sprachbarrieren überwunden, Freunde und eine neue Heimat gefunden.

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