Als Tourist in der Heimat

Ein Geräusch erinnert mich immer an meine Jugend: das Gurren von Tauben. Heute morgen ganz früh im Halbschlaf höre ich es wieder – und das passt auch gut: Ich bin nämlich wieder in meiner alten Heimat Erkelenz am Niederrhein.

Tauben - zahlreich am Niederrhein, selten in Schwaben

Tauben – zahlreich am Niederrhein, selten in Schwaben

Ich habe meinen Vater begleitet, der hier als ehemaliger Lehrer auf ein Klassentreffen eingeladen ist. Es trifft sich die Klasse, deren Klassenlehrer er zuletzt an der Immerather Hauptschule war – 1982 wechselte er dann nach Erkelenz, und seine Schüler müssen dann 1984 mit Ende der 10. Klasse die Immerather Schule verlassen haben, sie sind also ein bisschen jünger als ich.

Wegen des Klassentreffen allein wäre er vielleicht gar nicht mal gefahren, aber das Wochenende bietet ihm natürlich auch die Gelegenheit, seinen Bruder und ein paar  Freunde zu besuchen und – ja, und sein neues Auto (einen schicken Citroen Berlingo Multispace) wollte er auch mal auf der Autobahn ausfahren. Also sind wir Freitagmorgen losgefahren.

Unser erster Weg führt uns an unserem alten Haus vorbei. Eine junge Familie hat es gekauft, umfassend umgebaut und renoviert – und knatschblau angestrichen. Ist merkwürdig, an diesem Haus vorbeizufahren, in dem meine Eltern 40 Jahre und ich immerhin 17 Jahre gewohnt haben. Aber sentimentale Gefühle kommen da zum Glück nicht auf. Mit dem Haus haben wir im Grunde genommen im vergangenen August abgeschlossen.

Gewöhnungsbedürftig: unser altes Haus im neuen Lo

Gewöhnungsbedürftig: unser altes Haus im neuen Look

 

Auf dem Marktplatz von Erkelenz trinken wir eine Cola, und ich schieße wie ein Tourist ein paar Fotos. Erkelenz hat im Krieg unheimlich gelitten, es gibt wenig alte Bausubstanz, die neue ist überwiegend hässlich. Es sind einige neue Prestige-Bauten entstanden, aber ob die sich harmonisch ins Stadtbild einfügen, darüber lässt sich streiten. Wir wissen schon zu schätzen, wie wunderschön unsere neue Heimat Schwäbisch Hall unter diesem Aspekt ist.

 

 

Wir besuchen meinen Onkel Uly mit seiner Frau, die alte Freundin Agnes, den Freund Hermann-Jupp, Frau H.-S.. Überall werden wir sehr nett bewirtet und willkommen geheißen. Wir gehen auf den Friedhof und bringen einen schönen Blumenstrauß zum Grab meiner Großeltern.

Alles ist so vertraut und doch neu. Es fühlt sich sehr merkwürdig an, keinen richtigen Aufenthalt zu haben. Wir logieren im Hotel Esser in Kipshofen. Die Zeit zwischen den Besuchen verbringen wir damit, über die holländische Grenze zu fahren und – zum Frühstück – leckere frische Matjes zu essen oder einen Ausflug in die Kreisstadt Heinsberg zu unternehmen.

 

Ganz frische junge Matjes - eine Delikatesse

Ganz frische junge Matjes – eine Delikatesse

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Was vom Frühstück übrig blieb …

Das Klassentreffen am Samstagabend ist übrigens ein voller Erfolg. Mein Vater erzählt am nächsten Tag ganz begeistert, wie nett die Begegnung mit den ehemaligen Schülern war. Bei allen netten Kontakten und Begegnungen spüren wir doch: Irgendwie fühlen wir uns hier doch nicht mehr daheim. Und einmal sagt mein Vater doch glatt: „Ich bin froh, wenn ich wieder zu Hause bin“ und meint Michelbach. Da habe ich mich heimlich gefreut.

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Eingeordnet unter Familiengeschichten, Persönliches, Reisegeschichten

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