Quirliges Paris

Tag 1: Heute ist abartig frühes Aufstehen angesagt. Das vorbestellte Taxi bringt uns um 4:45 zum Hessentaler Bahnhof. In Stuttgart nehmen wir den TGV Richtung Paris. Schon um halb elf stehen wir auf dem Gare de l’Est, wo wir uns mit einem Paris- City- Ticket ausstatten. Mit der Métro fahren wir zu unserem Hotel, dem Hotel de Paris. Die Unterkunft ist sehr einfach, aber sauber und die Métrostation ist direkt vor der Tür. Wir machen uns gleich wieder auf den Weg und fahren zur U-Bahn-Station Ternes. Von dort machen wir einen Spaziergang durch die Rue Poncelet, eine Marktstraße, wo es schöne kleine Läden mit Käse, Fisch und Gemüse gibt. Danach laufen wir zum Arc de Triomphe, dem Denkmal Napoleons für seine siegreichen Armeen. Am Place Charles de Gaulle geht es in die Champs- Élysées. In der Avenue Montaigne ist das Modezentrum mit vielen Designern und Labels. Wir laufen am Grand Palais vorbei, dessen Glasdach markantes Kennzeichen für dieses Bauwerk ist. Schließlich landen wir auf dem Place de la Concorde mit dem Obelisken in der Mitte. Mit der U-Bahn geht es zurück ins Quartier, wo wir einen kleinen Imbiss mit Brot und Käse improvisieren. Nach dem frühen Aufstehen sind wir müde und legen uns ein Stündchen hin. Abends erkunden wir noch ein bisschen den nahegelegenen Parc de la Villette. Es gibt dort Kinderspielplätze, einen kleinen Kanal, viele Jogger und eine Rutsche, die aussieht wie ein Drache. In einer Bar trinken wir noch einen Absacker, bevor wir schlafen gehen.

Die zwei müden Stadtbummler

Die zwei müden Stadtbummler

Tag 2: Nach einem Frühstück im McDonalds fahren wir mit der Métro Richtung Île de la Cité. Nach kurzem Fußmarsch erreichen wir die Seine. Wir laufen am Tour de Saint Jaques vorbei und am Hotel de Ville, dem Pariser Rathaus. Wir bummeln über die Île Saint- Louis mit kleinen Boutiquen und Läden aus dem 17. Jhd. Danach besuchen wir Notre Dame. Es haben sich Horden von Touristen zu hunderte Meter langen Schlangen zusammengeballt. Da wollen wir nicht anstehen. Wir besuchen eine kleine Ausstellung unter dem Vorplatz, die einen Einblick gibt in das römisch besiedelte Paris mit Amphitheater, Bädern und Kaianlagen. An der Seine trinken wir einen Milchkaffe, den ersten französischen Kaffee in diesen Urlaub. Mit der Métro fahren wir dann Richtung Bootsanlegestelle. Auf einem Ausflugsschiff machen wir eine Fahrt auf der Seine, bei der wir die schönsten Sehenswürdigkeiten von Paris vom Schiff aus bewundern können: Louvre, Concierge, Notre Dame und den Eiffelturm. Nachdem wir wieder angelegt haben, laufen wir zu Fuß zum Eiffelturm. Hier ist die Hölle los. Vom Eiffelturm laufen wir zum Arc de Triomphe und dann die Champs- Élysée wieder hoch. Leonie ergattert sich dort eine Jeans mit Löchern, die ihrer Meinung nach richtig supergeil aussieht. Mit heißen Sohlen fahren wir in der stinkigen, vollgestopften Bahn nach Hause ins Quartier. Abends schlendern wir nochmal durch den Parc de la Villet, wo ein großes Kiffer-Happening stattfindet mit Reggea-Rap. Die Leute sitzen in Gruppen auf einem Rasen und über allen hängt der Duft von Gras. Wir landen in einer Kneipe, wo viele Musiker verkehren und die Stimmung sehr ausgelassen ist. Wir kommen mit einigen Leuten ins Gespräch und haben einen netten Abend.

Tag 3: Heute machen wir uns schon gegen 9 Uhr auf den Weg – wieder zur Notre Dame. Dort sind wir schon vor zehn – und siehe da: noch keine Schlange! Wir schlendern durch die Kirche, die bereits im 12. Jahrhundert erbaut wurde und die in Victor Hugos Geschichte „Der Glöckner von Notre Dame“ die Hauptrolle spielt. Die Kirche muss zu seiner Zeit in sehr schlechtem Zustand gewesen sein – und es ist Hugos Verdienst, dass er mit dieser Geschichte auf diesen Missstand aufmerksam machte und infolgedessen die Kirche umfangreich renoviert wurde. Uns fallen vor allem die wunderschönen, teilweise riesengroßen Glasfenster aus den unterschiedlichsten Epochen auf, die wie Edelsteine in der sehr dunklen Kirche strahlen. Die folgenden Fotos hat übrigens Leonie gemacht:

Auf dem Vorplatz von Notre Dame halten die „Hopp on – hopp off“-Busse der Firma Big Bus Paris, für die wir ein Voucher besitzen. Wir klettern in einen dieser Busse, deren Routen die berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Paris ansteuern. Daher sehen wir nochmal das Musée d’Orsay, den Place de la Concorde, Champs Elysée, Arc de Triomphe, Grand Palais und Petit Palais, Trocadero und Eiffelturm, Invalidendom, die Opéra (in der das berühmte Phantom der Oper spielt), den Place Vendôme, den Louvre und wieder Notre Dame. Über Kopfhörer kann man sich die Sehenswürdigkeiten auf der Strecke und allerlei Anekdoten in acht Sprachen erläutern lassen, darunter auch in Deutsch. Es ist sonnig, es ist gemütlich – wir fahren die ganze Strecke anderthalb mal.

Vom vielen Gucken sind wir am Nachmittag müde und hungrig und machen uns auf den Heimweg. Die Metro bringt uns wieder bis vor unser Hotel. Was auffällt: Die Preise von Paris sind aber sowas von gesalzen!! Man bekommt kaum einen Milchkaffee unter 4,50 Euro und Essen gehen ist komplett unerschwinglich. Leonie und ich sind dazu übergegangen, uns abends ein Baguette zu kaufen. Dazu gibt es für Leonie Schmierkäse und für mich einen Camembert, der mittlerweile so streng riecht, dass wir ihn auf die Fensterbank verbannen mussten. Was auch auffällt: Wer schon meint, dass die Deutschen Handy-versessen sind, der hat die Einwohner von Paris noch nicht erlebt. Zu fast jeder Parisienne gehört zum modebewussten Outfit auch ein Handy mit Freisprecheinrichtung, in das sie beim Schlendern über die Boulevards oder in der U-Bahn ständig etwas hineinbrabbelt. Ist wirklich auffallend. Abends machen wir noch einen Ausflug in eine nahe gelegene Kneipe. Leonie freundet sich mit deren Patron, Lionel, an. Er ist ein drahtiger Korse, lacht gerne und viel, und hat offenbar Spaß daran, sich mit Leonie auf französisch zu unterhalten. Die tut sich anfangs ein bisschen schwer, aber wird immer besser. Andere Gäste und Freunde von Lionel werden einbezogen, es steht immer wieder ein Ricard vor mir, der Abend wird richtig ausufernd. Aber sehr lustig.

 

Tag 4: Auf Leonies Wunsch machen wir einen Ausflug auf einen Flohmarkt. Er ist in der Nähe der ehemaligen Bastille gelegen. Wir finden eine kleine Markthalle mit appetitlich aussehenden Ständen, an denen Fisch, Fleisch und Käse angeboten werden. Die restlichen Marktstände findet man außerhalb, Blumen, Gemüse, Obst und eben jenen Flohmarkt, auf dem allerlei Absonderliches feilgeboten wird – afrikanische Masken, Klamotten, Schmuck, Bücher…. Wir genießen die Marktatmosphäre bei einem guten und vergleichsweise günstigen Milchkaffee. Danach besuchen wir das Viaduct d’Art. In einem Viadukt – ich glaube, ursprünglich verliefen oben Bahngleise – hat man zwischen die hübschen Rundbögen kleine Läden gebaut, in denen Kunsthandwerker ihrer Arbeit nachgehen oder ihre Produkte verkaufen. Es ist nett, da vorbeizuschlendern und sich alles genau anzuschauen. Nach einer Pizzaschnitte (eine unserer wenigen warmen Mahlzeiten in Paris) fahren wir zum Montmartre und schlendern in den teilweise ganz malerischen Sträßchen herum. Ganz oben um Sacre Coer herum ist allerdings Touri-Kommerz pur – mit Schnellzeichnern, Andenkenläden und Kneipen. Zumindest ist es ganz interessant, den Malern auf dem Place de Tendre über die Schulter zu schauen. Mit der nächsten Metro geht es weiter, denn wir müssen noch ein Mitbringsel besorgen: ein Hardrockcafe-Feuerzeug für Leonies V ater. Dann reicht es uns erstmal für heute. Zurück im Hotel machen wir erstmal eine Verschnaufpause. Mein Camembert reift und müffelt nun seit drei Tagen ohne Kühlschrank vor sich hin, sein Aggregatzustand hat sich über fest zu flüssig und neuerdings hauptsächlich zu gasförmig verändert. Der Geruch ist wirklich unglaublich – schmecken tut er aber nach wie vor gut! Abends gehen wir wieder in unsere neue Lieblingskneipe und werden von Lionel wie alte Freunde herzlich in Empfang genommen. Er postiert uns auf der Pole-Position am Fußball-Fantisch und so schreien wir gemeinsam mit den anderen Fans: Allez le bleu! Natürlich belebt der hohe Sieg der Franzosen gegen die Schweizer die Stimmung zusätzlich. Im Laufe des Abends lernt Leonie einen Senegalesen kennen, der als Englischlehrer auf der Insel La Reunion (französische Kolonie im indischen Ozean) arbeitet. Und sie schließt Freundschaft mit zwei Franzosen und einer Türkin, die gerade aus Istanbul angereist ist. Insgesamt ist zu konstatieren, dass man hier recht leicht Kontakt findet und daraus nette Abende entstehen können.

 

Tag 5: Wir fahren zum Centre Pompidou, einem modernen Bau mit eigenwilliger Architektur – Rohre, Aufzüge, Versorgungsleitungen befinden sich auf der Außenseite. Von oben haben wir einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Wir schlendern durch die Ausstellung für moderne Kunst, die nicht chronologisch, sondern nach bestimmten Themen geordnet ist. Hier hängt natürlich alles, was Rang und Namen hat: Picasso, Modigliani, Matisse… Die Sonderausstellungen im Centre Pomidou sind übrigens nicht im Museumspass enthalten. Nach einem feudalen Mittagessen – wir gönnen uns jeder eine Pizza zum Mitnehmen – besuchen wir die Cité de la Musique. Ein tolles Museum: Hier findet man Instrumente aller Epochen und kann deren Entwicklung sehr gut nachvollziehen, dazu gibt es Klangproben und ausführliche Erläuterungen – leider nur auf Französisch und Englisch. Die Sonderausstellung über schwarze Musik hätten wir uns auch gerne angeschaut, aber die ist im Museumspass wiederum nicht enthalten. Abends treffen wir uns mit meinem alten Studienfreund H.. Ganz zufällig waren wir auf die Tatsache gestoßen, dass wir beide zur gleichen Zeit mit unseren Familien in Paris sind. Sie wohnen in einem netten Appartment in der Nähe der U-Bahnstation Odeon. Zusammen leeren wir zwei Flaschen Wein, machen ein Picknick mit Brot und Käse und schauen nebenbei das Weltmeisterschaftsspiel Deutschland : Ghana an. Hinterher schauen wir noch kurz in der netten Kneipe vorbei und verabschieden uns. Tag 6: Wir packen unseren Koffer und gammeln dann noch ein bisschen in der Sonne herum, ehe wir uns auf den Weg zum Gare de l’Est machen. 13.10 Uhr soll unser Zug fahren. Allerdings wartet dort kein TGV sondern ein ICE – und auch den reservierten Wagen können wir nicht finden. Auf einmal merken wir, dass unser Rückfahrticket nicht auf Sonntag den 22.6., sondern auf Samstag, 21.6. ausgestellt ist. Da fällt uns erstmal das Herz in die Hose. Müssen wir denn  jedes Mal irgendwelche Aufregungen bestehen?  Zum Glück finden wir in dem sehr vollen Zug zwei nicht reservierte Plätze. Und zum Glück merkt der Schaffner, der unsere Tickets abknipst, nichts von unserem Malheur mit dem falschen Datum. Da nehmen wir es auch in Kauf, dass die Klimaanlage in unserem Waggon nicht funktioniert und wir drei Stunden lang in saunaähnlicher Umgebung schmachten müssen. Von Mannheim nach Heilbronn werden wir dann gar nicht kontrolliert, ebenso wenig wie in der Frankenbahn von Heilbronn nach Hessental. Erleichtert und hungrig wie die Wölfe  kommen wir zu Hause an. Jetzt sind wir doch wieder sehr froh, daheim zu sein.

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