Wunschnachbar VII

Hinter uns liegt eine anstrengende, aber erfolgreiche  Umzugswoche. Mein Vater wohnt nun in seiner seniorengerechten, gemütlichen Wohnung, zwei Gehminuten von meinem Haus in Michelbach entfernt.

Mir war schon etwas mulmig zumute, als ich mich vergangenen Sonntag von meinem Studienfreund Frankie in Erkelenz absetzen ließ. Natürlich war der Umzug nach einem Vorlauf von rund anderthalb Jahren gut vorbereitet, mein Vater saß bereits auf 40 gepackten Kisten, der Rest sollte nun auch zu schaffen sein. Aber ich wusste nicht, wie schwer es meinem Vater fallen würde, das Haus zu verlassen, in dem er 41 glückliche Jahre verbracht hatte.

Sonntagabend feierten wir seinen Abschied aus Erkelenz: Er hatte seinen Bruder mit Schwägerin, zwei seiner engsten Freunde und mich in ein Restaurant eingeladen. Es war ein netter Abend, an dem mein Vater nochmal alle Erkelenzer herzlich einlud, ihn in Michelbach zu besuchen. Ich hoffe, der eine oder andere wird das auch tatsächlich tun.

Am Montag packten wir alle restlichen Habseligkeiten meines Vaters in die verbliebenen Kisten. Viel war es ja nicht mehr – einige Küchen- und Badezimmerutensilien, seine Kleidung, Schuhe etc. Abends nutzte ich die Gelegenheit, nochmals zwei Schulfreundinnen zu treffen, die ich neulich beim Klassentreffen nach langer Zeit wiederentdeckt hatte. Es war ein netter Abschlussabend in Erkelenz – und ich hoffe, dass der Kontakt nicht wieder abreißt.

Der Möbelwagen rollt an

Der Möbelwagen rollt an

Dienstag wurde es dann ernst: Pünktlich rollte der Umzugswagen samt Anhänger vor. Vier Umzugs-Spezialisten begannen in rasender Geschwindigkeit und unglaublicher Effizienz, die Möbel zu demontieren und die Kisten im Möbelwagen zu verstauen. Kleidung wurde in Pappschränken untergebracht, der Fernseher in einer Spezialbox gesichert, jedes Bild, jede Glasscheibe mit Noppenfolie verpackt. Da merkt man die Unterschiede zwischen Profis und einem Amateur-Umzug. Schon gegen 13 Uhr war alles im Möbelwagen verstaut. Ich sauste noch einmal mit dem Staubsauger durch die Räume und versuchte, noch ein bisschen Ordnung zu schaffen. Aber viel Mühe gab ich mir nicht, wusste ich doch, dass die neuen Eigentümer schon sofort  nach der Übergabe mit Reißen und Renovieren beginnen würden. Das junge Paar kam kurz vor 14 Uhr – die Zählerstände wurden abgelesen und sie bekamen die Schlüssel – fertig. Mein Vater und ich stiegen ins Auto und verließen Erkelenz – ohne große Sentimentalität. Wie mein Vater schon Tage zuvor immer wieder gesagt hatte: Wir hatten mit Erkelenz und dem alten Leben abgeschlossen.

Was bisher geschah:

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