Griechische Gastfreundschaft

Gerade komme ich  zurück von einer zehntägigen Reise nach Griechenland. Ich habe Birgit besucht, eine Freundin seit fast 30 Jahren. Birgit lernte vor 27 Jahren im Urlaub einen Griechen kennen und verliebte sich. Sie zog in den Süden, heiratete und gründete eine Familie. Das Leben in einer fremden Kultur war nicht immer leicht für sie. Auch die aktuelle Krise in Griechenland, die die Wirtschaft lähmt, macht der Familie zu schaffen.  Trotzdem hat sich Birgit ihr riesengroßes Herz und ihren kölschen Frohsinn bewahrt – Eigenschaften, die mich schon vor 30 Jahren für sie einnahmen.

Familienanschluss

Birgit holt meine Tochter und mich vom Athener Flughafen ab. Auf der Fahrt zu ihrer Wohnung im Stadtteil Egaleo bekommen wir schon einen Eindruck von den riesigen Ausmaßen der Stadt. Die Straße, in der Birgit mit ihrer Familie wohnt, wirkt allerdings gar nicht großstädtisch, eher dörflich familiär. Viel Durchgangsverkehr gibt es nicht, hin und wieder heult ein Auto oder knattert ein Motorroller vorbei.  Das Familienleben spielt sich zu einem Großteil auf den Terrassen, Balkonen und Dachgärten ab. Die Nachbarn – man beobachtet sich, man kennt sich, man hört sich. Irgendwo ein Fest mit einem riesigen Grill vor dem Haus  und lauter Sirtakimusik, da feiert jemand seinen Namenstag. Hunde kläffen am Abend, Katzen schreien in der Nacht, Tauben gurren im Morgengrauen. Auf den Terrassen wachsen Bäume mit Zitronen, Orangen und Aprikosen. Ich erfahre, dass die Zitrusbäume veredelt werden müssen. Werden die Bäume nicht gepflegt, verwildern sie und bringen nur noch kleine, bittere Wildfrüchte hervor. Birgit und ihr Mann haben ihr Schlafzimmer für uns geräumt. Die vierköpfige Familie ist zusammengerückt. Die vier schlafen behelfsmäßig auf Matratzen, um uns komfortabel unterzubringen.  Sie kochen und grillen wunderbar für uns. Sie bereiten für uns Frappeé und frischgepressten Saft zu. Sie laden uns in ein Lokal ein, in dem in einer winzigen Küche herrliche griechische Spezialitäten zubereitet werden. Ein Highlight ihrer Wohnung ist die riesige Dachterrasse, auf der man über das Häusermeer der Stadt bis hinüber zur Akropolis sehen kann.

Atem der Antike

Die Zeit reicht leider nicht, um Athen intensiv zu erkunden. Aber die Akropolis wollen wir unbedingt von nahem sehen. Zunächst besuchen wir das am Fuße der Akropolis gelegene Museum, dessen moderne Architektur sehr ansprechend wirkt. Leider gibt es keine Audio-Führer, wie wir sie  in fast allen Londoner Sehenhswürdigkeiten fanden. Alle Beschriftungen sind neben griechisch auch auf englisch, das muss uns genügen. Hier ein paar der Exponate, die man sonst nur aus Geschichtsbüchern kennt:

Nach einer kleinen Rast im Museumscafé machen wir uns an den Aufstieg zum Heiligtum. Im Sommer ist das sicher eine ungemein schweißtreibende Sache, aber jetzt am Spätnachmittag Ende Mai lässt sich der Weg gut bewältigen. Der Weg schlängelt sich vorbei an Felsen, Ruinen und Ausgrabungsstellen. Auf unserem Weg kommen wir am oberen Rand eines imposanten Amphitheaters vorbei. Da Arbeiter unten gerade eine Bühne aufbauen, können wir uns einen guten Eindruck von der exzellenten Akustik verschaffen. Das historische Amphitheater wird heute noch für Theater und Konzerte genutzt. Über ein imposantes Eingangsportal betreten wir dann das gewaltige Felsplateau und umrunden es langsam, um die Ruinen der Heiligtümer auf uns wirken zu lassen. Hier einige Impressionen:

Ab auf die Insel

Serifos ist eine kleine, karge Kykladeninsel, rund vier Fährstunden von Piräus entfernt. Hier besitzt Birgits Freundin Sophia ein Ferienhaus, das sie uns freundlicherweise für einige Tage zur Verfügung gestellt hat. Birgits Mann setzt uns am belebten Haften von Piräus ab. Birgit, meine Tochter und ich gehen  an Bord des Fährschiffs, das zur Zeit alle zwei Tage Serifos anläuft. Die Touristensaison hat noch nicht begonnen, hauptsächlich sind es Griechen, die das Schiff bevölkern. Im Inneren ihres geräumigen Bauches transportiert die Fähre Autos und sogar Lastwagen. Wir machen es uns auf dem Sonnendeck bequem und sehen in der Ferne andere Kykladeninseln an uns vorbeiziehen. Wem die Fähre zu langsam ist, der kann auch das Schnellboot nehmen. Es braucht anderthalb Stunden weniger für die Passage, ist dafür aber auch 16 Euro pro Person teurer. Nach etwa drei Stunden Fahrzeit legen wir auf der Insel Kithnos an, dann umrunden wir Serifos und fahren in den Hafen Livadi ein. Der Hafen ist umringt von kleinen Geschäften und Lokalen, in denen im Mai noch nicht viel los ist. Ein Taxi bringt uns zu unserem Haus. Es ist zwei Badebuchten vom Hafen entfernt und  im typischen würfelförmigen Kykladenstil erbaut: außen weißer Putz, blaue Türen und Fensterläden, innen verschiedene Ebenen, hohe Decken, liebevoll eingerichtet. Von der Terrasse haben wir einen  Blick tagsüber aufs blitzeblaue agäische Meer und nachts auf einen Sternenhimmel mit einem grandiosen Vollmond, der eine schimmernde Lichtspur bis auf die Nachbarinsel Sifnos legt. Einen Abend fahren wir mit einem ächzenden und den Magen durchschüttelnden Kleinbus die halsbrecherischen Serpentinen zum Dorf Chora hoch. Es liegt rund 500 Meter hoch auf einem kargen Berggipfel. Früher lebten die Einwohner von Serifos aus Angst vor Piraten lieber in schwindelnder Höhe als direkt an der Küste. Dort bummeln wir durch die verwinkelten Gässchen, erkunden Läden mit Kunsthandwerk und trinken Ouzo in einer Taverne. Ein Taxi bringt uns wieder zur Küste zurück. Ansonsten entwickeln wir einen tiefenentspannten Lebensrythmus: Langes Ausschlafen, Sonnenbäder am Strand, Lesen im Schatten, Einkaufen, Kochen, Eistee und Wein trinken, Quatschen und Lachen.

Als wir nach vier Tagen wieder die Fähre zurück nach Piräus besteigen, bleibt ein Wunsch in Serifos zurück: Hierher möchte ich nochmal zurückkommen. Danke, Birgit, für den herrlichen Urlaub!

PS: Das Haus auf Serifos ist günstig zu vermieten. Wer Lust auf einen Besuch bekommen hat: Ich leite Anfragen gerne weiter.

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