Mutter sein aber auch!

Mein lieber Freund Uwe ruft auch zur Blogparade unter Männern. Das Thema lautet: „Vater sein, das ist doch schwer“ und fragt nach der Rolle von Männern und Vätern zwischen Job und Familie. Na gut, da will ich ihm nicht in die Parade fahren. Aber eigentlich finde ich ja, als Familienernährerin hätte ich auch – rein theoretisch – das Recht, hier teilzunehmen!

a) Ganz ehrlich,was hat oberste Priorität: Beruf oder Familie

Es ist kompliziert! Natürlich würde ich erst mal sagen: Mein Kind. Aber ich musste meine Tochter (inzwischen 14) auch schon krank allein zu Hause lassen, weil ich wichtige Termine hatte, der Vater nicht abkömmlich war und meine Eltern 400 Km entfernt wohnen. Dann fühlt man sich scheiße und guckt alle 2 Minuten aufs Handy.

b) Wie kriegt ihr das im Alltag geregelt?

Ich bin alleinerziehend und arbeite Teilzeit – 80 Prozent. Heißt in der Theorie 6 Stunden 14 Minuten pro Tag. Meine Tochter geht auf eine Ganztagsschule und wird da montags bis donnerstags von 8.50 bis 15.50 Uhr , freitags bis 12.45  Uhr betreut. Ich zahle dafür rund 200 Euro pro Monat Schulgeld. Mein familienfreundlicher  Arbeitgeber hat gleitende Arbeitszeiten, ich könnte also meine persönliche Arbeitszeit locker auf die Schulzeit meiner Tochter abstimmen. Jahrelang war das auch überhaupt kein Problem. Aber seit rund einem Jahr ist das leider schwieriger geworden. Inzwischen wurde angeordnet, dass jeder Mitarbeiter unseres Teams – auch die Teilzeit-Kollegen – einmal die Woche bis 17 Uhr arbeiten, um die „telefonische Erreichbarkeit“ im Team abzudecken. Es ruft zwischen 15.30 und 17 Uhr übrigens – unter uns  gesagt – selten jemand an!!!

c) Glaubt ihr, ein sichtbares hohes Engagement für die Familie kann die Karrierechancen reduzieren?

Ja, glaube ich schon. Kommt natürlich darauf an, wie man „Karriere“ definiert. Von einer Führungskraft mit Personalverantwortung zum Beispiel erwarten Unternehmen sicherlich ein überdurchschnittliches Engagement mit  hoher Anwesenheitsquote, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Alle Engagements, die dem entgegenlaufen, können also  die Karrierechancen tendenziell reduzieren. Das muss aber nicht zwingend Kind oder Familie sein. Ein  zeitaufwändiges Hobby, ein soziales oder politisches Engagement, pflegebedürftige Angehörige oder andere nicht immer zeitlich planbare Aktivitäten könnten sich ebenso störend auswirken.

d) Glaubt ihr, dass die junge Generation umdenkt? Was müsste sich gesellschaftlich verändern, damit hier niemand mehr “Sorge um die Karriere” haben muss?

Ich denke schon, dass es für die junge Generation selbstverständlich wird, nicht zwischen Familie und Karriere zu wählen, sondern beides haben zu wollen. Originalton: „Mama, so spät wie Du möchte ich kein Kind bekommen.“ Um aber den Spagat zwischen Karriere und Familie zu schaffen, braucht die nächste Generation noch mehr Sicherheit und Variabilität im Beruf mit verschiedensten Angeboten wie Teilzeit, Home-Office, etc.

e) Seht ihr einen Zusammenhang zwischen Branche, Karriere und Familienvater sein können? Oder hängt es an der Größe des Unternehmens? 

Ich kenne Beispiele aus anderen Unternehmen, da hieß es: „Wenn Ihnen unsere Arbeitsbedingungen nicht passen: Da vorne ist die Tür. “ Leider an Frauen adressiert, miese Bezahlung und familienunfreundlicher Schichtdienst inklusive.  Natürlich gibt es inzwischen einen demografischen Wandel. Natürlich werden die Betriebe stärker um Fachkräfte kämpfen müssen. Und natürlich werden große Betriebe da mehr bieten können und die Nase vorne haben. Wichtig ist für mich, dass Familienfreundlichkeit nicht nur ein Lippenbekenntnis ist,  sondern auch von den Mitarbeitern eingefordert werden kann.

f) Wo lebt ihr? Auf dem Land oder in der Stadt? Und macht das eurer Meinung nach einen Unterschied?

Ich lebe auf dem Land. Da müssen sich eigentlich die Unternehmen mehr anstrengen, um gut ausgebildete Fachkräfte beiderlei Geschlechts anzulocken. Und das geht unter anderem mit familienfreundlicher Unternehmenspolitik!

g) Wie läuft es für eure Partnerin? Hat sie die gleichen Probleme oder ist das doch eher ein “Männerding”?

Ich bin eine allein erziehende Frau und gut bezahlte Familienernäherin. Und ich habe das Glück, mit dem Vater meiner Tochter auch nach unserer Trennung und Scheidung eine gute und pragmatische Elternbeziehung gefunden zu haben. Er ist 100 Prozent verlässlich und als Vater sehr engagiert und präsent. Wir ziehen – was die Betreuung und Erziehung unserer Tochter angeht – an einem Strang. Das ist leider – wenn ich so in meinem Bekanntenkreis herumschaue – eher die Ausnahme.

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Eingeordnet unter Aus meiner Berufswelt, Blogparade

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