Schluss mit lustich – Fastenzeit

Als evangelische Rheinländerin bin ich ja ein anachronistisches Mischwesen. Die Familie meines Vaters: Preußen. Evangelische Minderheit im Rheinland. Diaspora. Habe aber über die Familie meiner Mutter – auch wenn meine Mom vor meiner Geburt aus der katholischen Kirche aus- und danach zur evangelischen Konfession übertrat – eine Menge Katholizismen aufgesogen. Ich finde – unter anderem – die Fastenzeit gut.

Daher beteilige ich mich auch an der Aktion:

7 Wochen kann man ja wohl aushalten, oder?

7 Wochen kann man ja wohl aushalten, oder?

Ich möchte auf Alkohol, Süßigkeiten und Fleisch verzichten… Bei Alkohol und Süßigkeiten komplett, beim Feisch hängt es davon ab , was zur Zeit  in unserem Betriebsrestaurant angeboten wird. So wenig Fleisch wie möglich, aber soviel wie nötig, wenns keine Alternativen gibt. Schaumermal. Ich werde berichten.

Fazit Woche 1: Die erste halbe Woche meiner Fastenzeit ist um. Ich bin stark erkältet und nicht sehr unternehmungslustig. Das reduziert die Menge der Versuchungen deutlich. Alkohol war kein Thema in den letzten Tagen. Ich habe statt dessen abends meinen Fencheltee mit Honig geschlürft. Im Betriebsrestaurant konnte ich bisher  Fleisch recht gut umgehen. Allerdings wäre ich fast schwach geworden, als meine Eltern meiner Tochter eines meiner Lieblingsgerichte mitschickten: Drei Frikadellen mit Kohlrabi-Gemüse. Okay, das Gemüse habe ich gleich verputzt, die Frikadellen habe ich seufzend eingefroren und werde sie nach Ostern genießen. Als Ausgleich habe ich mir im Fastfoodrestaurant ein kleines Softeis Apple Crumble gegönnt. Das könnte man als Verstoß gegen die Süßigkeitensperre interpretieren. Aber wollen wir ja mal nicht päpstlicher sein als der Papst 😉

Fazit Woche 2: Bin ganz zufrieden mit mir. Bislang noch kein Sündenfall. Bin immer noch ziemlich kränklich: die Erkältung nahm plötzlich wieder Fahrt auf. Hätte meinen alten Knochen gerne mal einen wärmenden Glühwein gegönnt, aber heißer Tee tuts auch. Fleisch vermisse ich überhaupt nicht. Ich esse zur Zeit mehr Gemüse, Salat und Rohkost. Auf Süßigkeiten zu verzichten, fällt mir auch nicht soooo schwer. Nur das Nutellaglas könnte mir gefährlich werden. Wenn ich Lust auf Süßes habe, esse ich ein Knäckebrot mit Honig. Jetzt muss endlich die blöde Erkältung weg!

Fazit Woche 3: Die Erkältung hat mich so langsam aus ihren Klauen entlassen. Wurde auch Zeit. Ich hatte eine super stressige Woche und habe mich – wohl deshalb – zweimal am Nutellaglas vergriffen. Schande über mein Haupt! Bei Alkohol und Fleisch weiter eiserner Verzicht. Wenn ich mittwochs in der Cocktailbar an meinem Apfelsaftschorle schlürfe, ernte ich zwar schräge Blicke und süffisante Kommentare von meinen Freunden – aber da muss ich eben durch.

Fazit Woche 4: Nochmal eine stressige Woche und ein total verplantes Wochenende. Leider kein Nutella mehr im Haus. Ich glaube, ich wäre schwach geworden. Aber die letzten Bestände hat der Pubertand vertilgt. Um so besser. Mein Sündenfall bestand in dieser Woche aus einem Müsliriegel nach einem sehr unbefriedigenden Mittagessen. Ego me absolvo. Oder heißt es mihi? Fleisch könnte ich mir ganz abgewöhnen. Die Frage ist: Wirkt  sich eine fleischlose Ernährung auf den Eisenwert aus? Beim Blutspenden war ich wieder genau an der untersten Grenze.

Fazit Woche 5: Ich freu mich schon auf das Fazit Woche 7, denn dann hab ich es geschafft. Noch zwei Wochen bis Ostern. Diese Woche habe ich mir ein Eis mit zwei Kugeln gegönnt, das erste der Saison. Ansonsten hab ich echt gut durchgehalten. In der Cocktailbar hatte ich vier warme Apfelsaft mit Zimt. Gestern (Freitag) war so ein Abend nach einem anstrengenden und ereignisreichen Tag, da hätte ich mir daheim gerne mal ein, zwei, drei Gläser Wein genehmigt. Hab ich mir eben einen schönen warmen Fencheltee gekocht. Und ich habe endlich nach langer Pause wieder mit dem Laufen angefangen.

Fazit Woche 6: Ganz routiniert greife ich in Kantine und Restaurant inzwischen zu den vegetarischen Speisen und könnte mir durchaus vorstellen, das auch über Ostern hinaus zu tun. Allerdings müssten hin und wieder Ausnahmen erlaubt sein. Zum einen, weil es mich hin und wieder doch nach der leckeren Hausmannskost meiner Eltern gelüstet, zum anderen in Situationen, wo man anderen Leuten mit vegetarischen Extrawünschen Aufwand und Kopfzerbrechen verursachen würde. Auch beim Alkohol habe ich durchgehalten. Allerdings gab es in dieser Woche einen Abend, an dem ich dringend Nervennahrung brauchte und über eine Tüte Lakritze hergefallen bin.

Fazit Woche 7: Mit dem Gründonnerstag habe ich die Fastenzeit nun beendet. Sicher hätte ich auch noch bis Ostersonntag durchhalten können, aber ich war Donnerstag abends in netter Runde – und als man mir einen Sekt anbot, wollte ich nicht schon wieder ablehnen. Ich denke, es reicht jetzt auch. Ich bin zufrieden, dass ich mit Alkohol und Fleisch so gut durchgehalten habe und hätte mir mehr Konsequenz bei den Süßigkeiten gewünscht.  Ich glaube, ich werde auch künftig meinen Fleischkonsum sehr stark einschränken. Auch wenn die Pferdefleischskandal-Schlagzeilen jetzt vorbei sind, bleibt doch der Verdacht, dass der nächste Skandal schon bald um die Ecke kommt.

Ich wünsche allen ein besinnliches und schönes Osterfest!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Persönliches

Eine Antwort zu “Schluss mit lustich – Fastenzeit

  1. Dann bist du sicher, dass du kein Pferd isst!

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