Die Bilz – Hügel über Michelbach

Dieser Tage erhielt ich eine Anfrage aus den fernen USA, was denn die Bilz eigentlich sei. Social Media machts möglich! Nancy –  mit deutschen Wurzeln – interessierte sich für die Herkunft des Namens Bilz, da der Familienname ihrer Mutter so lautete. Das veranlasste mich,  ein bisschen zu recherchieren.

Die Bilz ist übrigens kein Fluss, wie viele Ortsunkundige annehmen. Vielmehr ist es der Hausberg Michelbachs. Michelbach trägt ihn im Namen, um sich von anderen gleichnamigen Gemeinden zu unterscheiden. Noch in den sechziger Jahren gab es allein in Baden-Württemberg sieben selbstständige Gemeinden mit Namen Michelbach, fünf davon im Regierungsbezirk Stuttgart. Die Gemeindereform von 1973 hat bewirkt, dass es heute nur noch eine selbstständige Gemeinde mit dem Namen Michelbach in Baden-Württemberg gibt: Michelbach an der Bilz.

Gipfel der Bilz

Gipfel der Bilz

Die Landschaft rund um Michelbach

Die Gemeinde Michelbach mit ihren Ortsteilen Michelbach, Hirschfelden, Gschlachtenbretzingen und Rauhenbretzingen liegt am Rande der Haller Ebene, die sich nach Norden immer weiter ausbreitet, nach Süden dagegen buchtartig verengt. Sie gehört zur Hohenloher Ebene und ist deren südlichster Teil. Im Westen und Osten ist sie von Bergzügen umgeben, die sich im Durchschnitt etwa 100 Meter über die Ebene erheben. Die Haller Ebene wird vom Kocher durchflossen, der bei Westheim in sie eintritt und die buchtartige Erweiterung der Ebene durch seine Erosionskraft geschaffen hat. Die Haller Ebene wird daher in der Landschaftskunde auch „Kocherbucht“ genannt. Die Michelbach gegenüberliegende Berge im Westen gehören zum Mainhardter Wald, nach Norden gehen sie in die Waldenburger Berge über. Die sich im Osten über Michelbach erhebenden Höhen werden wegen ihrer einstigen Zugehörigkeit zur Grafschaft Limpurg die Limpurger Berge genannt. Ihr nördlicher Eckpunkt ist der Einkorn (510 m). Sein Name soll sich von Eichenhorn ableiten, zum Unterschied vom „Buchenhorn“, dem Berggebiet südlich von Michelbach. Die Bilz, der Geigenberg bei Hirschfelden, der eben erwähnte Buchhorn sowie die Höhe des Hagenhofs sind also Vorberge der Limpurger Berge. (Quelle: Hans Scheerer: „Michelbach an der Bilz – seine Natur und Landschaft“, aus „Michelbach an der Bilz – Beiträge zur Geschichte und Gegenwart“, BadeniaVerlag, 1980)

Blick von der Bilz auf Michelbach

Blick von der Bilz auf Michelbach

Herkunft des Namens Bilz

Ein wichtiger Zweig der Vor- und Frühgeschichtsforschung besteht in der Deutung von Orts- und Flurnamen. Der Name „Bilz“ ist auf der Flurkarte der Gemeinde gleich zweimal eingetragen:  zum einen für die der „Kirchhalde“ nach Südwesten vorgelagerte Höhe, über die bis zum Jahr 1868 die „Straße“ nach Gaildorf führte. Zum anderen für die über einen kleinen Einschnitt hinweg etwa 400 m weiter südwestlich liegende Höhe, mit den Linden auf der Kuppe und den rund 90 m Höhenunterschied zur Hirschfelder Straße die markantere der beiden und darum im Volksmund wohl die Bilz. Welche Bedeutung hat der Name Bilz, der in den ältesten Urkunden auch in den Schreibweisen „Bulß“, „puls“, „Buls“ und „Pulz“, immer weiblichen Geschlechts, auftaucht? Der Flurnamenforscher Wilhelm  Keinath meint: „Bülze (schwäbisch bilz) kann aufstoßendes  (althochdeutsch: ûzarbulzen) Wasser oder Gelände meinen. Rundliche Erhöhungen sind Bulzen (mittelhochdeutsch: bulzen = hervorstoßen), also eine Kuppe oder ein Gebiet mit vielen kleinen, öfters runden Erhebungen. Auch Heimatforscher Emil Kost war der Ansicht, dass Bilz die oberdeutsche Form des niederdeutschen Bulte (= Hügel) sei.Wenige Kilometer weiter erhebt sich bei Sanzenbach schon wieder eine „Bülz“, die als Bestätigung für die Namenstheorie herhalten kann. Die Michelbacher Bilz als „ûsargebulzter“ Hügel verdankt ihre Gestalt allerdings keinem eruptiven Vorgang sondern einer sie vor Erosion schützenden Schilfsandsteindecke. (Quelle: Karl-Werner Hahn: „Vom Werden der Gemeinde Michelbach an der Bilz und ihren Teilgemeinden“, aus „Michelbach an der Bilz – Beiträge zur Geschichte und Gegenwart“, BadeniaVerlag, 1980)

Blick auf die Bilz

Blick auf die Bilz

Zumeist herrscht Ruhe und Beschaulichkeit auf der Bilz. Spaziergänger erklimmen gelegentlich den Gipfel, auf dem mächtige Linden stehen, um von dort den malerischen Blick über die weite Haller Ebene und die beiden Ortschaften Hirschfelden und Michelbach zu genießen. Ein Wochenende im Jahr allerdings geht es sehr lebhaft zu auf der Bilz: Ende Juni lädt der örtliche  Albverein ein zur Sommersonnwendfeier. Der Posaunenchor spielt, und unter den wachsamen Augen der Feuerwehr wird ein ein imposantes Johannisfeuer entzündet, dessen Schein weit zu sehen ist. Am nächsten Morgen findet bei schönem Wetter ein ökumenischer Erntebittgottesdienst auf dem Gipfel statt.

Johannisfeuer auf der Bilz

Johannisfeuer auf der Bilz

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