Roadtrip durch den Sunshine State

Unser diesjähriger Haupturlaub führt uns zwei Wochen in die USA. Der Flug ist diesmal sehr luxuriös: Zum ersten Mal in unserem Leben fliegen meine Tochter und ich Lufthansa Business-Class. Das ist ein Erlebnis für sich. Weißes Leinen-Tischtücher und Servietten, echte Gläser und Geschirr, exquisites Essen, hübsch angerichtet, einen Sessel, den man zum Bett ausfahren kann, so viel Platz, dass man trotzdem nicht an den Vordermann stößt  – ich bin echt baff. Ich kann schon verstehen, dass man – wenn man das einmal erlebt hat – nie mehr „Holzklasse“ fliegen will.

Entsprechend ausgeruht kommen wir in Chicago am O-Hare-Flughafen an. Ein Shuttle bringt ins zu unserem Hotel, das etwa eine Viertelstunde vom Flughafen entfernt liegt. Dort richten wir uns in unserem Zimmer mit zwei riesigen Queensize-Betten ein. Den Nachmittag verbringen wir in einem zu Fuß zu erreichenden Fashion-Outlet in direkter Nachbarschaft. Allerdings stellen wir schnell fest: Schnäppchen lassen sich dort nicht finden, die Preise sind recht gesalzen. Ohne Beute kommen wir wieder ins Hotel zurück und machen dort ein kleines Schläfchen, da uns doch die Zeitumstellung ein bisschen zu schaffen macht. Gegen später bummeln wir zu einer Fress-Mall, wo wir ganz in der Nähe des Chicago Hofbrauhaus (gibt es tatsächlich!) ein sehr freqentiertes Restaurant namens Park Tavern finden,  wo es üppige Burger und Home Cut Fries gibt. Was essen die Amis für riesige Portionen! Wir werden aufpassen müssen, dass wir nicht spickfett zurückfliegen.   Schon vor 21 Uhr Ortszeit liegen wir im Bett – erledigt von dem langen Tag und den vielen Eindrücken.

Samstag sind wir recht früh auf den Beinen und nehmen in der Hotellobby noch einen Coffee for free, bevor uns das Hotel-Shuttle wieder zum Flughafen bringt. Dort frühstückt jeder noch ein bisschen nach seiner Fasson, ehe wir dann am frühen Nachmittag Ortszeit mit American Airlines weiterfliegen nach Miami. Man kann sich nicht sattsehen an so manchen Mitreisenden, die in Socken und Badelatschen das Flugzeug besteigen, auch farbenfrohe Leggins über ausladenden Formen machen dem Betrachter Freude. In Miami empfangen uns Wind und sehr milde Temperaturen – angenehm nach dem kalten Chicago.  Am Mietwagenschalter herrscht Überfüllung – und wir müssen einige Zeit auf unseren Wagen warten. Schließlich bekommen wir einen sehr komfortablen Nissan Quest mit 260 PS. Er wird in den nächsten 14 Tagen die Konstante unserer Rundreise sein. 

Mit ihm steuern wir Miami City an. Die abendliche Skyline mit den vielen erleuchteten Hochhäusern ist schon beeindruckend. Schließlich erreichen wir über eine Brücke das vorgelagerte Miami Beach und arbeiten uns durch den dichten Verkehr und ungezählte Nachtschwärmer vor zum Ocean Drive. Unser Hotel Penguin ist eines der legendären Art-Deco-Hotels, und unser Eckzimmer im Obergeschoss bietet einen atemberaubenden Blick auf Palmen und Meer.

Nach einem kleinen Einkaufsbummel, bei dem wir uns mit dem Nötigsten versorgen, gibts noch einen kleinen Schlummertrunk. Anschließend fallen wir müde in unsere Queensize-Betten. Um uns herum tobt das Nachtleben, und man fühlt sich wie in einer Filmkulisse, Cruiser lassen die schweren Motoren ihrer Motorräder oder Karossen  aufröhren, Reifen quietschen und in der Ferne hört man die amerikanischen Polizeisirenen jaulen – Miami Vice lässt grüßen.

Am Sonntagmorgen sind meine Tochter und ich bereits um 6 Uhr wach. Wir schlendern zum Strand und bewundern den Sonnenaufgang über dem Meer und einen jagenden Pelikan im seichten Wasser. Anschließend gibt es ein sehr ordentliches Frühstück auf der Hotel-Terrasse mit Blick über den Ocean Drive. Man erzählt uns, dass es dort heute eine große Gay-Pride-Parade mit anschließendem Festival gibt. Während wir einen Strandspaziergang machen, wird die ganze Küstenstraße geräumt und abgesperrt, und ab 11 beginnt dann ein großes Spektakel, zu dem offensichtlich Schwule und Lesben aus ganz Florida angereist sind. Den ganzen Tag geht es vor unserem Hotel sehr bunt, sehr schrill, sehr fröhlich zu.

Abends machen wir dann nochmal einen Strandspaziergang in der tiefstehenden Abendsonne, die die bunten Baywatch-Häuschen wunderschön anstrahlt. Mit einem nahrhaften Sandwich lasse ich den Abend ausklingen. Die Sonne und die vielen Eindrücke haben mich müde gemacht. Um 21 Uhr Ortszeit liege ich bereits im Bett.

Wieder beginnt der Tag mit einem grandiosen Sonnenaufgang, ehe wir uns wieder im Hotel Penguin das Frühstück schmecken lassen. Nach zwei wunderschönen Tagen nehmen wir Abschied von South Miami Beach und nehmen Kurs auf die Keys. Die Fahrt beschert uns spektakuläre Ausblicke auf eine einzigartige Landschaft mit türkisfarbenen Wasserflächen und Mangroven-Inseln. Einmal sehe ich Delfine. Etwa dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt über die schmalen Keys und die Brücken, die sie verbinden.

Unsere nächste Station ist das Sugarloaf Key Lodge. Diese Unterkunft punktet besonders mit der Nähe zum Wasser (ein paar Meter vom Balkon aus) und einer grandiosen Aussicht. Am Spätnachmittag machen wir gleich einen Ausflug an das rund 20 Meilen entfernte Ende der Keys: Key West. Der Ort ist hübsch, mit historisch-pittoresken Holzhäuschen – allerdings sehr überlaufen mit Touristen. An der Mole hat ein riesiges Kreuzfahrtschiff festgemacht und seine ganzen Gäste an Land gespuckt. Kleinkünstler und Ramschverkäufer buhlen um ihre Aufmerkamkeit.  Hier ein paar Eindrücke von Key West:

Zurück in unserer Lodge genießen wir die Abendsonne vor der Tikibar – bei einem Budweiser und einem kalifornischen Weißwein aus  eigenen Beständen. Wir lernen Brandon kennen, der mit zwei  Kollegen mit einem Motorboot an der Tikibar angelegt hat und sich für unsere Herkunft interessiert.

Am Dienstag  besuchen wir nochmals Key West und bummeln die Duval-Street entlang, besuchen den Southern Most Point und genießen noch einmal das karibische Flair der Keys. Entspannt lassen wir den Tag in unserer Lodge mit Pizza ausklingen.

Wieder packen wir unsere Koffer und ziehen weiter. Heute geht es wieder zurück  über die unzähligen Inselchen und Brücken aufs Festland. Wir sind nun ganz im Süden Floridas, in den Sümpfen der Everglades. Als ich in den Gräben entlang der Straße meinen ersten Alligator sehe, denke ich noch, ich halluziniere. Aber es kommen noch einige dazu. Von der Straße aus bekommt man schon einen Eindruck der üppigen Fauna und Flora der Sümpfe. Außer unzähligen kleinen und großen Alligatoren sehen wir mächtige Schildkröten und verschiedene Reiher-Arten, die zwischen Mangroven und Schilf auf Nahrungssuche sind. Am Nachmittag erreichen wir unser Hotel „Port of the Islands“  mitten im Nirgendwo der Sümpfe. Hier steigen wohl vor allem ältere Angler ab.  Am Pool verbringen wir den Rest des Tages. Abends gehen wir im Hotelrestaurant teuer und schlecht essen.

Donnerstag morgen packen wir erneut unsere Sachen und fahren ein Stück hinein in die Everglades. Bei Captain Jack buchen wir eine Fahrt mit dem Airboat durch die Mangrovensümpfe. Eine Stunde lang tuckern wir durch kleine Seen und Mangroventunnel. Wir sehen dabei eine kleine Gruppe von Bottleneck-Delfinen. Ich hätte gerne auch ein paar Alligatoren oder Schlangen von Nahem gesehen – aber die Airboote machen  dermaßen Krach, dass sich sicher alle Tiere aus dieser Region entfernt halten. Immerhin macht es ziemlich Spaß, mit Vollgas durch die Tunnel zu heizen. Ist ein bisschen wie Achterbahn.

Nach unserer Tour brechen wir auf Richtung Golf von Mexiko.  Unser Ziel ist der Badeort St. Petersburg. Auch er hat – wie Miami- eine vorgelagerte Insel: Trasure Island. Unser Quartier ist diesmal richtig skurril: „The Strands“ ist ein Motel aus dem Jahr 1947 – und die Zeit scheint in den fünfziger Jahren stehen geblieben zu sein. Zimmermöblierung und Pool wirken noch original – allerdings mit entsprechenden Abnutzungserscheinungen. Man darf nicht allzu scharf in die Ecken schauen. Das Bad sieht original aus wie das von Norman Bates in „Psycho“. Aber das Motel liegt direkt am breiten und feinsandigen Strand und es hat einen sehr familiären Charakter. Wir lernen eine sehr nette Familie aus Ohio kennen: Bret und Becky mit ihrer 11-jährigen Tochter Grace. Bret ist Lehrer und sehr kommunikativ. Wir unterhalten uns mit den dreien über Gott und die Welt, Politik und  und räumen mit einigen Klischees auf, die wir gegenseitig über DIE Deutschen und DIE Amerikaner haben. Schön ist, dass  auch die Jungen bei unseren Gesprächen emsig mitmischen. Das war vor ein paar Jahren in London noch ganz anders 😉

Freitag (hier ist nicht zu spüren, dass Karfreitag ist) machen wir ausführliche Strandspaziergänge und hängen ein bisschen ab. Abends schmeißen wir den öffentlichen Grill neben dem Pool an und machen ein „Grill-Out“ mit allerhand Leckereien aus dem örtlichen Publix-Supermarkt. Alles ist hier sehr entspannt und das Wetter ist herrlich warm und trocken. Einen Sonnenuntergang in allen schillernden Farben beschließt den Tag.

Samstag ist unser letzter Tag auf Treasure Island. Wir laden unsere Nachbarn aus Ohio zu einem gemeinsamen abendlichen Grill-Out ein. Zu unserer Verwunderung sind sie Vegetarier. Ich hätte gar nicht gedacht, dass man die hier findet 🙂 Jedenfalls fahren wir gemeinsam einkaufen, und sie bereichern das Grill-Buffet mit Folienkartoffeln und gegrilltem Mais. Er wird übrigens vorher gewässert und dann komplett in der Schale auf den Grill gelegt. Wir tauschen Adressen aus mit unseren neuen Freunden. Sie sind uns in den paar Tagen richtig ans Herz gewachsen.

Am Oster-Sonntag sehen wir im Motel eine Frau, die einen mit Hühnerfedern verzierten Hut trägt. Eine andere versteckt Plastik-Eier in den Dünen. Sehr merkwürdige Sitten hier. Wir packen unsere Koffer und beladen wieder unseren treuen Nissan. Er bringt uns in einer Fahrt von rund zwei Stunden nach Kissimmee in der Nähe von Orlando. Nach einem erneuten unvermeidlichen Großeinkauf im örtlichen Walmart beziehen wir unser nächstes – und bislang luxuriösestes Quartier: ein weiträumiges und sehr gut ausgestattetes Ferienhaus mit Terrasse, Gasgrill und Pool – an einem künstlichen See gelegen –  in einer Wohn-/Feriensiedlung in Kissimee. Nachdem wir uns installiert haben, lassen wir den Abend am Pool gemütlich ausklingen.

Heute besuchen wir die Universal-Studios von Orlando,  etwa eine halbstündige Fahrt von Kissimee gelegen. Ich bin kein Freund von Freizeitparks und habe sie immer gemieden, wenn ich konnte. Aber weil meine Tochter sich so darauf freut, will ich kein Spielverderber sein. Aber es ist alles so quietschbunt, so voll, so teuer! Wir besuchen mehrere Parkbereiche, die verschiedenen Filmen oder Serien gewidmet sind: Shrek und Simpsons, Man in Black und Transformers, Die Rache der Mumie und Harry Potter. Harry Potter ist der sicher am aufwändigsten gestaltete Parkbereich mit dem Grimauld-Platz und dem fahrenden Ritter, dahinter gehts über den Bahnhof King’s Cross in die Winkelgasse mit den detailgetreuen Ladenfassaden aus den Harry Potter-Filmen. Hinter den hübschen Fassaden lauern allerdings nur Läden, in denen ekstatische Kinder  Devotionalien zu überteuerten Preisen erwerben. Hier müssen täglich Plastik-Zauberstäbe für zehntausende Dollar über den Tresen gehen. Die Themenbereiche sind immer ähnlich aufgebaut: Es gibt einen Anstell-/Wartebereich (manchmal bis zu eine Stunde), hier wird man mithilfe von  Absperrgittern an Videos oder Dekorationen aus den Filmen entlanggeschleust. Danach gibt es ein Fahrgeschäft oder Motion-Ride in 3D oder 4D, in dem man kräftig durchgeschüttelt wird. Anschließend kann man themenspezifischen Kruschd für teuer Geld erwerben.  Am späten Nachmittag qualmen uns die Füße, todmüde machen wir uns auf den Heimweg. Zu später Stunde wird noch einmal der Grill angeworfen. Noch nie war ich in diesem Urlaub so müde!

Heute ist Dienstag, und wir gönnen uns einen ruhigen Vormittag mit langem Ausschlafen und gemütlichem Frühstück auf unserer Pool-Terrasse. Nachmittags machen wir einen Ausflug in eine riesige Shopping-Mall mit zig Marken-Outlets. Was für eine Auswahl!!! Ich bin echt überfordert.

Man muss aber genau hinschauen: Ich habe den Verdacht, dass in einigen Läden die Ware mit Fabelpreisen etikettiert wird, und dann suggerieren Schilder mit „60 Percent off“, dass es hier wunderbare Schnäppchen gibt. Aber meine Tochter ist voll in ihrem Element und betreibt Power-Shopping, und ich finde immerhin einen ganz hübschen neuen Geldbeutel für mich.  Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir eine ältere Frau vor einem Rollstuhl auf dem Gehweg liegen, offensichtlich kollabiert, während jemand nicht besonders professionell eine Herzmassage macht und andere gerade den Notruf informieren.  Das berührt und beschäftigt uns. So nahe liegen oberflächlicher Konsum und die elementaren Dinge des Lebens beieinander.

Am nächsten Tag ist eigentlich wieder Freizeitpark dran. Ich trete allerdings in Streik und verbringe den Tag mit Lesen und Sonnenbaden auf der Terrasse. Die Terrassen sind hier übrigens alle mit einer wintergartenartigen Metallkonstruktion überbaut und komplett mit Insektengittern eingefasst. Ein Indiz dafür, dass es in der feuchteren Jahreszeit unfassbar viele Mücken gibt. Jedenfalls hat man so das Gefühl, in einer riesigen Voliere zu sitzen. Die Tierwelt tummelt sich allerdings draußen: Ein recht eindrucksvoller Greifvogel jagt nach Eidechsen, ein neugieriges Eichhörnchen beäugt uns von draußen, und abends suchen große Gänse-artige Vögel im Gras nach Futter.

Den Donnerstag verbringen wir nochmal in einer anderen Einkaufsmall (hier finde ich ein paar schöne Schuhe) und mit dem Besorgen einiger Mitbringsel. Ein letztes Mal kochen wir abends (Nudeln mit Hackfleischsoße) und sitzen dann bei Budweiser und Weißwein gemütlich auf der Terrasse. Wir haben uns in dem Ferienhaus in Kissimee sehr wohlgefühlt und nehmen Freitag morgen mit etwas Bedauern Abschied.

Nun steuern wir das letzte Zwischenziel unserer Rundreise an: Fort Lauderdale. In diesem beliebten Badeort, den mehr Wasserstraßen als Aut0straßen durchziehen,  logieren wir vier Gehminuten vom Atlantik im Motel Shore Haven, Ein letztes Mal die salzige Atlantikluft schnuppern, der letzte Becher Wein unter Palmen, der letzte wunderschöne Sonnenaufgang am Strand – ein sonniger und erholsamer Urlaub neigt sich dem Ende zu. Morgen machen wir uns wieder auf den Rückweg ins eisige Deutschland. Hoffentlich nehmen wir die Sonne mit….

 

 

 

 

 

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Jahresrückblick 2016

Das Jahr 2016 markiert für mich als Mutter eine große Zäsur: Meine Tochter schloss ihre Schule erfolgreich ab, machte den nächsten Schritt in ihrem Lebenslauf und wurde volljährig. Von  daher kann ich nun  ein bisschen Verantwortung abgeben.

Familie – Meine Tochter ist nun 18 Jahre alt und damit volljährig geworden. Wo ist die Zeit geblieben?

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Das Jahr 2016 war sehr aufregend für uns alle. Das Kind machte sein Abitur am Evangelischen Schulzentrum Michelbach. In der Vergangenheit gab es durchaus auch Phasen des schulischen Durchhängens, in denen ich stark bezweifelt habe, ob es überhaupt je sein Abitur schaffen würde. Daher war ich erleichtert und überglücklich, als es dann tatsächlich so weit war. Und gar nicht mal sooo schlecht. Wir feierten mit einer wunderschönen glamourösen Abiturientin.P1010372

Kurze Zeit später bestand meine Tochter dann auch noch ihren Führerschein – Basis für künftige Mobilität. Ein paar Monate musste sie noch das begleitete Fahren ertragen. Jetzt kann sie sich dann den Führerschein auf dem Landratsamt abholen und losbrausen. Mögen alle Schutzengel sie begleiten! Was tun nach der Schule? Für meine Tochter stand schon relativ früh fest, dass sie nach der Schule erstmal ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren wollte. Und genauso stand für sie die Einrichtung fest: der Sonnenhof Schwäbisch Hall. Saudumm nur, dass bei der Bewerbung einiges schief ging und plötzlich eine Absage ins Haus flatterte. Ganz schnell mussten Alternativen her. Wir haben einen Haufen Bewerbungen (für ein freiwilliges soziales und alternativ kulturelles Jahr) geschrieben. Leider trafen wir in den seltensten Fälle auf ein professionelles FsJ-Management. Die wenigsten Stellen machten sich die Mühe, zu antworten oder gar die Unterlagen zurückzuschicken. Da hätte ich wirklich mehr erwartet. Aber langer Rede kurzer Sinn: Seit Mitte September hat meine Tochter eine Stelle in einer diakonischen Einrichtung namens Jugendhilfe Friedenshort in Öhringen. Sie braucht rund anderthalb Stunden, um mit Bus, Zug und Fahrrad dorthin zu gelangen. Da das alles von ihrer Freizeit abgeht, hat sie anstrengende und lange Tage. Der Anfang war ein regelrechter Schock für sie: Sie traf auf sehr traurige Schicksale –  vernachlässigte, verhaltensgestörte, aggressive, an ADHS leidende, mit Ritalin medikamentierte Kinder, die schon im Grundschulalter eine Akte und eine Negativ-Karriere hinter sich haben. Die erste Zeit war wirklich hart. Aber ich freue mich für sie, dass sie sich gut eingewöhnt hat und mittlerweile nicht mehr so leicht aus der Bahn zu werfen ist. Sie denkt über das Berufsziel Gymnasiallehrerin (Englisch/Deutsch) nach.

Mein Vater konnte in diesem Jahr seinen 77. Geburtstag feiern. Er fühlt sich nach wie vor sehr wohl in seiner Michelbacher Wohnung. Er kocht an den Wochenende regelmäßig für uns und nimmt mit großem Interesse an unserem Leben teil.

Beim Erntedankfest der Kichengemeinde mit Enkelin

Beim Erntedankfest der Kirchengemeinde mit Enkelin

Im Herbst hatte er ein paar gesundheitliche Probleme und war mit Verdacht auf Herzrhythmusstörungen einen Tag und eine Nacht zur Beobachtung im Haller Diakonie-Krankenhaus. Zu unserer Erleichterung hat sich dieser Verdacht aber nicht bestätigt. Auch sonst plagten ihn einige gesundheitliche Beeinträchtigungen. Hoffen wir, dass 2017 für ihn in dieser Hinsicht unter einem besseren Stern steht. Sehr schade war auch für ihn, dass sich der Gesundheitszustand seiner sehr netten Nachbarin verschlechterte. Sie ist nun im Pflegeheim des ASB in Michelbach untergebracht. Mein Vater besucht sie dort regelmäßig.

Im Frühjahr waren mein Vater und ich auf dem 50. Geburtstag meines Vetters Tobias in Waldshut eingeladen Wir freuten uns über das Wiedersehen mit den vier Geschwistern, die jeweils mit Familien angereist waren.

Beruf – Meine Arbeit als Redakteurin einer Mitarbeiterzeitung gefällt mir nach wie vor, wenn auch manche Rahmenbedingungen besser sein könnten. Zum Glück ist der Zusammenhalt und die Stimmung in unserem Team sehr gut. Eine Kollegin ist zum zweiten Mal Mutter geworden. Darüber haben wir uns sehr mit ihr gefreut. Wir haben eine neue Mitarbeiterin ins Team bekommen, die für uns ebenfalls eine große Bereicherung ist. Die Niedrigzinsphase macht meinem Arbeitgeber und der gesamten Finanzdienstleistungsbranche natürlich zu schaffen. Das Unternehmen fährt einen strikten Sparkurs und muss sich strukturell verändern. Die Zeiten verlangen den Mitarbeitern viel Flexibilität ab.

Haus – Leider fand ein Steinmarder unser Haus sehr anheimelnd und hat es sich dort unterm Dach gemütlich gemacht. Im Frühling stellte es sich dann heraus, dass er – hauptsächlich bei meiner Doppelhaus-Nachbarin – die Dampfsperre durchgenagt und in der Dämmung Gänge und  Nester gebaut und überhaupt ziemlich gehaust hat. Wir haben das Dach reparieren und die Zugänge an den Gauben sichern lassen müssen. Alle Kletterhilfen Richtung Dach wurden mit Draht und Stachelbändern ausgerüstet. Hoffentlich lässt sich das kleine Miststück nie mehr bei uns sehen.

Ehrenamt – Seit drei Jahren bin ich Mitglied des Kirchengemeinderats von Michelbach. 2016 tagten wir 13-mal und haben den Umbau des Evangelischen Kindergartens  inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Die Kinder fühlen sich in den neuen Räumlichkeiten wohl. Zuletzt wurden noch die Außenanlagen gestaltet. Zu meinen Aufgaben als KGR gehört es, auch die Gottesdienste durch Schriftlesung und Abkündigungen mitzugestalten – ein Dienst, der mir viel Freude bereitet und den ich 2016 14-mal gerne übernahm. Leider hat uns unser Gemeindepfarrer Uli Enders Ende November verlassen, um Aufgaben in der Landeskirche wahrzunehmen. Nun wird ein Nachfolger gesucht, und wir hoffen, dass die Vakatur nicht allzu lange dauert. Im Jahr 2016 entstanden wieder zwei Gemeindebriefe (Nr. 15 und Nr. 16), für die ich als Redakteur und Gestalter tätig war. Ich hoffe, dass das gut eingespielte Redaktionsteam künftig auch ohne Uli schöne und informative Gemeindebriefe zustande bringt.

Besonders zeitintensiv war in diesem Jahr meine Arbeit für den Gospelchor Michelbach.  Neben unseren normalen Aktivitäten und kleineren Auftritten in Gottesdiensten, bei Konfirmationen und Hochzeiten bereitete unser vierköpfiges Vorstandsteam ein großes Konzertwochenende Anfang November vor. Es bestand aus zwei Konzerten: ein eigenes in der Kulturscheune Schwäbisch Hall, ein zweites als Benefizveranstaltung für den Verein HELP! in St. Josef, Öhringen. Da gab es unglaublich viel zu organisieren. Außerdem übernahm ich zusammen mit meinem Vorstandskollegen Hartmut im zweiten Konzert die Moderation.

Musik – Ich singe mittlerweile seit etwa 13 Jahren im Gospelchor, meine Tochter ist mit neun Chorjahren nun ihr halbes Leben dabei. Seit zwei, drei Jahren singe ich auch Solo-Parts und mit meiner Tochter zusammen im Duett, was ich immer besonders schön finde. In diesem Jahr übernahm ich neue Soli und bekam sehr positives Feedback.

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Mit dem Michelbacher Flötenensemble hatten wir einige schöne Auftritte in der Kirche und bei Veranstaltungen. Besonders imposant waren unsere Auftritte, wenn wir mit dem Flötenensemble des Evangelischen Schulzentrums kooperierten.

Weiterhin bin ich treuer Fan der Band DECAY, die Pfingsten einen sehr schönen Auftritt am Unterwöhrd hatten und ihr musikalisches Jahr am 30. Dezember  im BRT-Schuppen ausklingen ließen.

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Reisen – Dieses Jahr war für mich ein sehr vielseitiges Reisejahr. Gleich im Januar ging es eine Woche zum Skifahren nach Schruns (Montafon). Im Juni begleitete ich dann (natürlich auf eigene Kosten) die Betriebssportmannschaft meines Arbeitgebers zu den Weltbetriebssportspielen auf Mallorca. Nach der stressigen Abitur-Zeit belohnte ich meine Tochter mit einer zehntägigen Reise auf die Kapverdischen Inseln. Und im November entfleuchte ich nochmal  auf Teneriffa nochmal für eine Woche dem deutschen Schmuddelwetter.

Freunde – Ich glaube, in diesem Jahr überwogen die freudigen Ereignisse bei Freunden und Bekannten. Ich erlebte wieder eine wunderschöne Hochzeit mit, Kinder und Enkel wurden geboren. Leider trennten sich auch Wege, und ein plötzlicher Todesfall sorgte im Kollegenkreis für Bestürzung.

Liebe Freunde, bleibt gesund und passt auf Euch auf. Genießt das Leben, und zeigt Euren Lieben, wie wichtig sie für Euch sind. Ich bin Euch sehr dankbar für all Eure Zuneigung, für Ermunterung, das Gefühl von Verbundenheit und Vertrauen. Es war schön mit Euch! Ich wünsche euch allen ein  gesegnetes, gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017.

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Let there be Gospel

Ein Chor  – gegründet im Jahr 2000, mehr als 50 Individuen, teilweise schon seit 16 Jahren zusammen, teilweise erst 16 Jahre alt, manchmal ein Hühnerhaufen, eine Schicksalsgemeinschaft, ach Mensch, das könnte besser klingen, Roland, kannst Du uns nochmal die Altstimme spielen, das nervt jetzt, ich kann nicht mehr stehen, jetzt seid doch mal ruhig, ach die Bässe wieder, das Schlagzeug ist zu laut, hat mal jemand Noten für mich, bisschen mehr Gefühl, Manno, die Intonation, das ist kein f sondern ein fis,  dieses Lied kann ich überhaupt nicht leiden, oh Text vergessen…

Und dann im entscheidenden Moment:  Adrenalin, Gänsehaut pur, Freude, sich anschauen, Funken, die auf auf das Publikum überspringen, auf der Bühne tanzen, eine Botschaft, die wir verkünden wollen…

Impressionen vom Konzertwochenende 5./6. November:

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Teneriffa – Insel mit Sonne und Schattenseiten

Noch einmal Sonne und Wärme tanken, bevor die kalte Jahreszeit anbricht – das war die Motivation, über meinen Geburtstag für eine Woche nach Teneriffa abzuschwirren. Ein Condor-Flug brachte uns Sonntagnachmittag von Frankfurt zum Flughafen Teneriffa Süd. Kurze Zeit später hatten wir unseren Mietwagen, einen recht neuen Renault Clio. Unsere Basis ist ein kleines, aber gut ausgestattetes Ferienappartement in Poris de Abona. Der Ort liegt im kargen Südosten der Insel, von unserem Balkon kann man den Sonnenaufgang über dem Meer und bei günstigen Wetterverhältnissen  auch die etwa 120 km entfernte Nachbarinsel Gran Canaria sehen.

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Poris ist – zum Glück – ein kleiner Ort, nicht so zersiedelt und vom Tourismus verschandelt wie manche andere auf der Insel. Der Ort hat einen Supermarkt und eine nette Kneipe mit nicht mal 20 Sitzplätzen, einen etwas abgelegenen Leuchtturm, ansonsten gibt es nicht viel zu entdecken. Daher machen wir ausgiebig von unserem Mietwagen Gebrauch, mit dem wir die Insel erkunden.

Montag: Wir besuchen den Süden der Insel, der über die größten Strände verfügt. Hier zeigt sich, was Teneriffa der Massentourismus und der Bauboom vor der Finanzkrise angetan hat. Wie Krebszellen fressen sich Siedlungen, Appartementanlagen und Hotelkomplexe den Hang hinauf – alles scheint ohne stadtplanerisches Konzept angelegt. Ganz schlimm. Trotzdem finden wir ein ganz nettes Strandrestaurant, in dem wir Thunfisch mit kanarischen Kartoffeln und Mojo Verde essen. Lecker.

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Wir verlassen die Küste und fahren Richtung Insel-Inneres. Dabei staunen wir über die riesigen Höhenunterschiede. Immerhin erhebt sich der Gipfel des Teide 3.718 Meter hoch über den Meeresspiegel und ist damit immerhin der höchste Berg Spaniens. Das Mietauto hat mit den Serpentinen ganz schön zu kämpfen, die sich die Hänge hochschrauben. Faszinierend sind die unterschiedlichen Vegetationszonen: Unten Kakteen und Sträucher, dann kommen Wälder mit langhaarigen Fichten, ganz oben auf 2.000 Metern wächst fast gar nichts mehr, Wolken verhüllen die Sicht, es nieselt, kahle Lavafelder sehen so aus, als wären sie eben erst erkaltet. Wir fahren am Rand des Nationalparks vorbei und staunen über die wilde und eigentümliche Natur. Hierher wollen wir bei bessen Wetter- und Sichtverhältnissen zurückkehren.

Dienstag: Wir machen einen Ausflug Richtung Norden an der Küste entlang und landen in Santa Cruz de Tenerife. Der erste Eindruck der Stadt ist nicht sehr ansprechend: Man fährt erstmal durch Industriegebiete und Raffineriegelände, ehe man ins geschäftige Stadtzentrum kommt. Wir schlendern herum, schauen uns den Hafen an, bummeln durch die Stadt und finden einen sehr hübschen Stadtpark mit Gewürzbeeten und blühenden Bäumen und Sträuchern, wo wir einen Kaffee trinken.

Das Highlight des Tages ist eine sehr originelle Kneipe, in der wir wunderbar essen.

Den Abend lassen wir in Poris im Café a Mar ausklingen, wo wir einen der raren Sitzplätze ergattern können.

Mittwoch: Heute ist morgens erstmals klares Wetter – ohne Bewölkung im Landesinneren. Wir starten daher sehr früh Richtung Nationalpark – diesmal aber nicht von Süden her, sondern von Nord-Osten. Wir folgen der Grat-Straße, die uns schwindelerregende Aussichtspunkte auf die Ostseite und auf die Westseite der Insel gewährt, und nähern uns dem majestätischen Gipfel des Teide. Die Vulkanlandschaft der Canadas  ist wirklich spektakulär, und man kann nur erahnen, welche Gewalten bei der Erschaffung der Inselgruppe am Werk waren. Immer wieder halten wir an, um Farben und Formen der Lavafelder zu bewundern und den riesigen Krater zu bestaunen. Trotz unserer Jacken ist der Aufenthalt im Freien – wegen der empfindlich kalten Außentemperatur und des pfeifenden Windes – allerdings äußerst ungemütlich.

Nachdem wir den Tag über viel im Auto gesessen sind, machen wir abends eine kleine Wanderung zum Leuchtturm von Poris.

Donnerstag: Wir entscheiden uns zu einem Abstecher nach El Medano, einem Hotspot für Surfer. Bei strammem Wind können wir Kite- und Windsurfer bei ihren spektakulären Ritten durch die Brandung bewundern.

 

Auf dem Rückweg folgen wir dem Tipp unserer Vermieterin und machen Station in einem Fischerdorf, wo wir in einer kleinen Kneipe hervorragend Fisch essen. Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt!!!

Freitag: Auf der Suche nach lohnenden Ausflugszielen sind wir auf La Laguna gestoßen, eine kleine Stadt im Landesinneren. Sie hat einen ganz hübschen Ortskern, in dem wir uns eine Weile herumtreiben. Später fahren wir weiter nach Puerto de la Cruz im Westen der Insel. Hier staunen wir über die völlig andere Flora: Der Westen ist viel grüner als unser karger Osten. Auch hier finden wir ein paar nette Ecken. Am Hafen finden wir eine offensichtlich stark frequentierte Kneipe, in der wir wieder hervorragend Fisch essen.

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Samstag: Heute wollen wir uns die Pyramiden von Güimar anschauen. Ein netter Museumskomplex, der die mysteriösen Steinbauten einschließt, ist dem Forscher Thor Heyerdahl gewidmet. Dieser vertrat die These, dass möglicherweise ein früher Austausch (vor den Wikingern und Christoph Kolumbus) zwischen unterschiedlichen Kulturen dazu führte, dass sowohl im Mittleren Osten, Ozeanien als auch auf dem amerikanischen Kontinent Pyramiden angelegt wurden, und bewies durch seine Expeditionsreisen, dass so ein Austausch möglich gewesen wäre. Neben dieser Thematik erfährt man auch viel über die Geschichte der Kanaren, über seine Entstehungs- und Siedlungsgeschichte, über seine endemische Pflanzenwelt und über seine wechselhafte Wirtschaftsgeschichte.

Sonntag: Und schon ist die Woche vorbei. Ein letztes Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die aufgehende Sonne, ein letzter Blick auf den Atlantik mit seinen Schaumkronen, dann wird der Koffer gepackt und es geht zurück ins kalte Deutschland. Teneriffa, Du warst keine Liebe auf den ersten Blick für mich. Die Menschen sind nicht sehr gut mit Dir umgesprungen. Man hat Dich kahlgeholzt, zersiedelt und verschandelt. Daher weiß auch nicht, ob ich Dich nochmal wiedersehen will. Aber es war auf alle Fälle eine erholsame Woche voller interessanter neuer Eindrücke.

 

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Sal – Insel über dem Wind

Türkisfarbener Atlantik, weißer Sandstrand, Sonne satt und Hängematte – so wünschte sich meine Tochter nach dem Abitur ihre Ferien. Auf Sal, einer Insel der Kapverden, haben wir genau das gefunden.

Die Anreise war anstrengend: Wir starteten morgens um kurz nach acht mit der Bahn Richtung Stuttgart. Ein ICE brachte uns zum Flughafen Frankfurt. Mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP ging es dann zunächst nach Lissabon. Erst nach sechs Stunden startete der Weiterflug nach Sal. Bis wir schließlich im Hotel ankamen, dürften rund 20 Stunden Reisezeit vergangen sein.

Eingemietet hatten wir uns im Hotel Odjo d’Agua, einer netten, nicht zu großen Anlage. Für einen Aufpreis hat unser Zimmer einen herrlichen Blick über den ganzen Strand von Santa Maria, und von meinem Bett aus kann ich die Surfer die Brandungswellen reiten sehen. Das Rauschen der Wellen, die sich unter uns an den Felsen brechen, wiegt uns abends in den Schlaf. Wir wohnen Luftlinie nicht mehr als 15 Meter vom Wasser entfernt. Auch die ersehnte Hängematte hat sich gefunden: Jedes Zimmer besitzt eine. Im Halbschatten unserer Terrasse lässt es sich darin trefflich dösen und lesen, es ist der Lieblingsplatz meiner Tochter geworden.

Sal ist eine winzige Insel, ein Fliegenschiss im Ozean, rund zwanzig Kilometer lang und zehn Kilometer breit. An Sehenswürdigkeiten bietet sie nicht allzu viel. Alle Arten von Wassersport kann man hier treiben: Segeln, Tauchen, Wellenreiten, Jet-Ski und weitere Sachen, deren Namen ich nicht mal weiß. Und wenn der Passat bläst, wird Sal zu einem Hotspot der Kite-Surfer. Im Moment bin ich aber ganz froh, dass der Wind nicht ganz so bläst – ich kann mir vorstellen, dass man dann am Strand wie ein Schnitzel paniert wird. Jedenfalls ist das Wasser so klar, dass wir beim Frühstück in etwa zehn Meter Entfernung einen Fischschwarm im Wasser verfolgen konnten.

Das Wetter hat uns anfangs ein bisschen enttäuscht. Am ersten Tag empfing uns ein wolkenverhangener Himmel. Inzwischen haben wir gelernt, dass das an den meisten Tagen so ist, aber die Wolken dann doch meist aufreißen. Und dann muss man sich echt in Acht nehmen von der Sonne, die senkrecht vom Himmel brennt. Wegen des Windes merkt man gar nicht, wie schnell man sich einen Sonnenbrand einfängt.

Unser Hotel liegt am Anfang der langgezogenen Bucht von Santa Maria. Das touristische Zentrum findet mal einige hundert Meter entfernt am Anlegesteg. Hier haben Tauch- und Surfschulen ihre Basen und gehen fliegende Händler auf Kundenfang. Auch landen Fischer hier ihren Fang an. Die Männer liegen anschließend dösend auf den Netzen, während die Frauen die Fische gleich vor Ort schuppen und filetieren. Thunfisch ist hier eine Spezialität, und wir sahen auch, wie dieser auf dem Kai zerlegt wurde. Sogar ein Schwertfisch war dabei –  und kleinere Fische, die ich nicht identifizieren konnte. Die Einheimischen zerlegen die Fische gleich vor Ort, Kopf ab, Schwanz und Flossen ab, für mich ein Indiz, dass der Fang nicht für einen Markt bestimmt ist, sondern gleich in die Küchen der Restaurants wandert. Ich probierte hier Fischspieße und Fischsuppe, Spaghetti mit Meeresfrüchten – für Menschen, die Fisch mögen, ist Sal ein echtes Eldorado. Auch eine spezielle Art Muscheln wird hier offensichtlich gern gegessen. Diese sehen allerdings nicht aus wie Muscheln, eher wie Austern oder Korallen. Sie haben eine kegelförmige, sehr borkige Gestalt und schmale, kraterförmige Öffnungen, aus denen der Esser mit einem speziellen Edelstahl-Dorn das Fleisch herausfuhrwerkt.

An einem Vormittag machten wir einen Ausflug zum Markt. Ich weiß nicht, ob wir zu spät waren, aber es waren nur zwei oder drei Obst- und Gemüsestände in Betrieb – und die Auswahl war überschaubar. Eines der Highlights war unser abendliches Barbeque am Strand. Ein leckeres Buffet mit gegrilltem Huhn und Thunfisch, offenes Feuer brannte am Strand, ein Piano spielte, über uns romantisch beleuchtete Palmen – und unser Tisch nur fünf Meter vom Meer entfernt. Ein Feuerschlucker zeigte seine Kunststücke, ein Paar führte temperamentvolle kapverdische Tänze vor.  Zum Schluss tanzte die ganze Gästeschar mit.

Ansonsten haben wir jeder etwa täglich ein Buch gelesen und waren ansonsten unendlich faul. Und ich denke, das hatten wir uns nach den ganzen Abitur-Aufregungen auch verdient….

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1. Juli 2016 – School ’s out

Das Kind ist seit halb fünf in der Frühe wach. Hibbelig. Telefoniert um kurz nach sieben laut und aufgeregt mit einer Freundin. Nimmt vor acht Uhr feste Nahrung zu sich und ist ansprechbar. Das war nicht immer so. Oh nein! Aber heute ist der allerletzte Schultag.

Das Kind hat jetzt Abitur. Anfang April begannen die schriftlichen Prüfungen (Deutsch, Mathematik, Englisch, Religion), vorgestern stand die mündliche Prüfung in Musik an (Goethes „Nur wer die Sehnsucht kennt“  – Vergleiche der Vertonungen von Beethoven und Tchaikovsky). Tchaikovskys Vertonung selbst gesungen.  14 Punkte!Damit einen Abitur-Schnitt von 2,5 erreicht!

Rückblende:

So startete das Kind (5) seine Schul-Karriere:  Im September 2004 wurde es in die 1 b der Kreuzäcker-Grundschule eingeschult.

2004

Ab September 2008 besuchte es die Gymnasialklasse das Evangelischen Schulzentrums Michelbach.

2008

Und nun?

Letzter Schultag und Abi-Ball – ein Abend voller Euphorie und ein bisschen Wehmut. Und ein sehr glamouröses, ehemaliges Kind (17).

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Es bleiben Erinnerungen an sehr engagierte Lehrer – aber auch einige fragwürdige. Erinnerungen an Erfolge (vor allem in Deutsch, Sprachen, Literatur, Musik) , aber auch manche Niederlage (vor allem in den Naturwissenschaften :-/ ) Erinnerungen an wunderbare Aufführungen (Kindermusicals, Chöre, Jugend musiziert etc.), in der das Mutterherz bis zum Hals hüpfte vor Freude – genauso aber auch an Phasen mit großen Sorgen und Nöten. An nette Schulfreunde, die mir ans Herz wuchsen.  Ich bin dankbar, dass das Kind in allen Phasen seiner Schulzeit gute Begleiter und Unterstützer gefunden hat, die es auch durch problematische Phasen brachten. Ein besonderer Dank gilt meinem Vater, mit dem ich  zwölf Jahre lang Schulfreuden und Schulleiden des Kindes teilen konnte.  Wir haben sicherlich hunderte Stunden lang telefoniert oder zusammengesessen.

 

 

Wie geht’s jetzt weiter?

Mit einem freiwilligen sozialen Jahr in der diakonischen Einrichtung Jugendhilfe Friedenshort in Öhringen ab September.

 

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Zaungast bei der World Federation of Company Sport 3

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Freitag ist Tag 2 der Wettkämpfe der World Federation of Company Sport. Die Golfer haben noch lahme Beine von gestern und den ersten Muskelkater. Die Petanque-Spieler müssen ganz früh aufstehen, andere starten erst sehr spät (Leichtathletik). Die Schachspieler hatten ja den ersten Tag  frei und beginnen ihren Wettkampftag erst heuten, dafür aber stilvoll mit einem Glas Sekt am Frühstücksbuffet. So ist recht.  Abends werden dann Spielstände verglichen und Erlebnisse ausgetauscht. Erfolgreichste Einzelsportlerin ist Kollegin Helga, die in fünf Leichtatlethik-Disziplinen in ihrer Altersklasse startete und mit vier Gold- und einer Silbermedaillen nach Hause fahren kann. Herzlichen Glückwunsch!  Freitag Abend feiern wir auch in den Geburtstag von Kollegin Andrea hinein. Um Mitternacht gibt es ein Ständchen und Sekt für alle. Hier noch ein paar sportliche Impressionen.

Samstag ist der dritte und letzte Wettkampftag, der mit einem Abschlussevent in Palma endet. Leider sind nicht alle unsere Sportler dabei, da sich die Goldturniere bis in den Abend hinein erstrecken.  Krönendes Finale ist ein wunderbares Feuerwerk, das man auch noch vom Mannschaftsquartier in Illetas aus bewundern kann.

Sonntag heißt es dann nach einer sonnigen und fröhlichen Woche Abschied nehmen von den 22 Kolleginnen und Kollegen. Einige sind mir richtig ans Herz gewachsen, so dass ich mir durchaus wieder vorstellen könnte, dabei zu sein, wenn es im nächsten Jahr zu den Europäischen Betriebssportspielen im belgischen Gent geht.

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