Jahresrückblick 2016

Das Jahr 2016 markiert für mich als Mutter eine große Zäsur: Meine Tochter schloss ihre Schule erfolgreich ab, machte den nächsten Schritt in ihrem Lebenslauf und wurde volljährig. Von  daher kann ich nun  ein bisschen Verantwortung abgeben.

Familie – Meine Tochter ist nun 18 Jahre alt und damit volljährig geworden. Wo ist die Zeit geblieben?

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Das Jahr 2016 war sehr aufregend für uns alle. Das Kind machte sein Abitur am Evangelischen Schulzentrum Michelbach. In der Vergangenheit gab es durchaus auch Phasen des schulischen Durchhängens, in denen ich stark bezweifelt habe, ob es überhaupt je sein Abitur schaffen würde. Daher war ich erleichtert und überglücklich, als es dann tatsächlich so weit war. Und gar nicht mal sooo schlecht. Wir feierten mit einer wunderschönen glamourösen Abiturientin.P1010372

Kurze Zeit später bestand meine Tochter dann auch noch ihren Führerschein – Basis für künftige Mobilität. Ein paar Monate musste sie noch das begleitete Fahren ertragen. Jetzt kann sie sich dann den Führerschein auf dem Landratsamt abholen und losbrausen. Mögen alle Schutzengel sie begleiten! Was tun nach der Schule? Für meine Tochter stand schon relativ früh fest, dass sie nach der Schule erstmal ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren wollte. Und genauso stand für sie die Einrichtung fest: der Sonnenhof Schwäbisch Hall. Saudumm nur, dass bei der Bewerbung einiges schief ging und plötzlich eine Absage ins Haus flatterte. Ganz schnell mussten Alternativen her. Wir haben einen Haufen Bewerbungen (für ein freiwilliges soziales und alternativ kulturelles Jahr) geschrieben. Leider trafen wir in den seltensten Fälle auf ein professionelles FsJ-Management. Die wenigsten Stellen machten sich die Mühe, zu antworten oder gar die Unterlagen zurückzuschicken. Da hätte ich wirklich mehr erwartet. Aber langer Rede kurzer Sinn: Seit Mitte September hat meine Tochter eine Stelle in einer diakonischen Einrichtung namens Jugendhilfe Friedenshort in Öhringen. Sie braucht rund anderthalb Stunden, um mit Bus, Zug und Fahrrad dorthin zu gelangen. Da das alles von ihrer Freizeit abgeht, hat sie anstrengende und lange Tage. Der Anfang war ein regelrechter Schock für sie: Sie traf auf sehr traurige Schicksale –  vernachlässigte, verhaltensgestörte, aggressive, an ADHS leidende, mit Ritalin medikamentierte Kinder, die schon im Grundschulalter eine Akte und eine Negativ-Karriere hinter sich haben. Die erste Zeit war wirklich hart. Aber ich freue mich für sie, dass sie sich gut eingewöhnt hat und mittlerweile nicht mehr so leicht aus der Bahn zu werfen ist. Sie denkt über das Berufsziel Gymnasiallehrerin (Englisch/Deutsch) nach.

Mein Vater konnte in diesem Jahr seinen 77. Geburtstag feiern. Er fühlt sich nach wie vor sehr wohl in seiner Michelbacher Wohnung. Er kocht an den Wochenende regelmäßig für uns und nimmt mit großem Interesse an unserem Leben teil.

Beim Erntedankfest der Kichengemeinde mit Enkelin

Beim Erntedankfest der Kirchengemeinde mit Enkelin

Im Herbst hatte er ein paar gesundheitliche Probleme und war mit Verdacht auf Herzrhythmusstörungen einen Tag und eine Nacht zur Beobachtung im Haller Diakonie-Krankenhaus. Zu unserer Erleichterung hat sich dieser Verdacht aber nicht bestätigt. Auch sonst plagten ihn einige gesundheitliche Beeinträchtigungen. Hoffen wir, dass 2017 für ihn in dieser Hinsicht unter einem besseren Stern steht. Sehr schade war auch für ihn, dass sich der Gesundheitszustand seiner sehr netten Nachbarin verschlechterte. Sie ist nun im Pflegeheim des ASB in Michelbach untergebracht. Mein Vater besucht sie dort regelmäßig.

Im Frühjahr waren mein Vater und ich auf dem 50. Geburtstag meines Vetters Tobias in Waldshut eingeladen Wir freuten uns über das Wiedersehen mit den vier Geschwistern, die jeweils mit Familien angereist waren.

Beruf – Meine Arbeit als Redakteurin einer Mitarbeiterzeitung gefällt mir nach wie vor, wenn auch manche Rahmenbedingungen besser sein könnten. Zum Glück ist der Zusammenhalt und die Stimmung in unserem Team sehr gut. Eine Kollegin ist zum zweiten Mal Mutter geworden. Darüber haben wir uns sehr mit ihr gefreut. Wir haben eine neue Mitarbeiterin ins Team bekommen, die für uns ebenfalls eine große Bereicherung ist. Die Niedrigzinsphase macht meinem Arbeitgeber und der gesamten Finanzdienstleistungsbranche natürlich zu schaffen. Das Unternehmen fährt einen strikten Sparkurs und muss sich strukturell verändern. Die Zeiten verlangen den Mitarbeitern viel Flexibilität ab.

Haus – Leider fand ein Steinmarder unser Haus sehr anheimelnd und hat es sich dort unterm Dach gemütlich gemacht. Im Frühling stellte es sich dann heraus, dass er – hauptsächlich bei meiner Doppelhaus-Nachbarin – die Dampfsperre durchgenagt und in der Dämmung Gänge und  Nester gebaut und überhaupt ziemlich gehaust hat. Wir haben das Dach reparieren und die Zugänge an den Gauben sichern lassen müssen. Alle Kletterhilfen Richtung Dach wurden mit Draht und Stachelbändern ausgerüstet. Hoffentlich lässt sich das kleine Miststück nie mehr bei uns sehen.

Ehrenamt – Seit drei Jahren bin ich Mitglied des Kirchengemeinderats von Michelbach. 2016 tagten wir 13-mal und haben den Umbau des Evangelischen Kindergartens  inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Die Kinder fühlen sich in den neuen Räumlichkeiten wohl. Zuletzt wurden noch die Außenanlagen gestaltet. Zu meinen Aufgaben als KGR gehört es, auch die Gottesdienste durch Schriftlesung und Abkündigungen mitzugestalten – ein Dienst, der mir viel Freude bereitet und den ich 2016 14-mal gerne übernahm. Leider hat uns unser Gemeindepfarrer Uli Enders Ende November verlassen, um Aufgaben in der Landeskirche wahrzunehmen. Nun wird ein Nachfolger gesucht, und wir hoffen, dass die Vakatur nicht allzu lange dauert. Im Jahr 2016 entstanden wieder zwei Gemeindebriefe (Nr. 15 und Nr. 16), für die ich als Redakteur und Gestalter tätig war. Ich hoffe, dass das gut eingespielte Redaktionsteam künftig auch ohne Uli schöne und informative Gemeindebriefe zustande bringt.

Besonders zeitintensiv war in diesem Jahr meine Arbeit für den Gospelchor Michelbach.  Neben unseren normalen Aktivitäten und kleineren Auftritten in Gottesdiensten, bei Konfirmationen und Hochzeiten bereitete unser vierköpfiges Vorstandsteam ein großes Konzertwochenende Anfang November vor. Es bestand aus zwei Konzerten: ein eigenes in der Kulturscheune Schwäbisch Hall, ein zweites als Benefizveranstaltung für den Verein HELP! in St. Josef, Öhringen. Da gab es unglaublich viel zu organisieren. Außerdem übernahm ich zusammen mit meinem Vorstandskollegen Hartmut im zweiten Konzert die Moderation.

Musik – Ich singe mittlerweile seit etwa 13 Jahren im Gospelchor, meine Tochter ist mit neun Chorjahren nun ihr halbes Leben dabei. Seit zwei, drei Jahren singe ich auch Solo-Parts und mit meiner Tochter zusammen im Duett, was ich immer besonders schön finde. In diesem Jahr übernahm ich neue Soli und bekam sehr positives Feedback.

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Mit dem Michelbacher Flötenensemble hatten wir einige schöne Auftritte in der Kirche und bei Veranstaltungen. Besonders imposant waren unsere Auftritte, wenn wir mit dem Flötenensemble des Evangelischen Schulzentrums kooperierten.

Weiterhin bin ich treuer Fan der Band DECAY, die Pfingsten einen sehr schönen Auftritt am Unterwöhrd hatten und ihr musikalisches Jahr am 30. Dezember  im BRT-Schuppen ausklingen ließen.

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Reisen – Dieses Jahr war für mich ein sehr vielseitiges Reisejahr. Gleich im Januar ging es eine Woche zum Skifahren nach Schruns (Montafon). Im Juni begleitete ich dann (natürlich auf eigene Kosten) die Betriebssportmannschaft meines Arbeitgebers zu den Weltbetriebssportspielen auf Mallorca. Nach der stressigen Abitur-Zeit belohnte ich meine Tochter mit einer zehntägigen Reise auf die Kapverdischen Inseln. Und im November entfleuchte ich nochmal  auf Teneriffa nochmal für eine Woche dem deutschen Schmuddelwetter.

Freunde – Ich glaube, in diesem Jahr überwogen die freudigen Ereignisse bei Freunden und Bekannten. Ich erlebte wieder eine wunderschöne Hochzeit mit, Kinder und Enkel wurden geboren. Leider trennten sich auch Wege, und ein plötzlicher Todesfall sorgte im Kollegenkreis für Bestürzung.

Liebe Freunde, bleibt gesund und passt auf Euch auf. Genießt das Leben, und zeigt Euren Lieben, wie wichtig sie für Euch sind. Ich bin Euch sehr dankbar für all Eure Zuneigung, für Ermunterung, das Gefühl von Verbundenheit und Vertrauen. Es war schön mit Euch! Ich wünsche euch allen ein  gesegnetes, gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017.

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Let there be Gospel

Ein Chor  – gegründet im Jahr 2000, mehr als 50 Individuen, teilweise schon seit 16 Jahren zusammen, teilweise erst 16 Jahre alt, manchmal ein Hühnerhaufen, eine Schicksalsgemeinschaft, ach Mensch, das könnte besser klingen, Roland, kannst Du uns nochmal die Altstimme spielen, das nervt jetzt, ich kann nicht mehr stehen, jetzt seid doch mal ruhig, ach die Bässe wieder, das Schlagzeug ist zu laut, hat mal jemand Noten für mich, bisschen mehr Gefühl, Manno, die Intonation, das ist kein f sondern ein fis,  dieses Lied kann ich überhaupt nicht leiden, oh Text vergessen…

Und dann im entscheidenden Moment:  Adrenalin, Gänsehaut pur, Freude, sich anschauen, Funken, die auf auf das Publikum überspringen, auf der Bühne tanzen, eine Botschaft, die wir verkünden wollen…

Impressionen vom Konzertwochenende 5./6. November:

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Teneriffa – Insel mit Sonne und Schattenseiten

Noch einmal Sonne und Wärme tanken, bevor die kalte Jahreszeit anbricht – das war die Motivation, über meinen Geburtstag für eine Woche nach Teneriffa abzuschwirren. Ein Condor-Flug brachte uns Sonntagnachmittag von Frankfurt zum Flughafen Teneriffa Süd. Kurze Zeit später hatten wir unseren Mietwagen, einen recht neuen Renault Clio. Unsere Basis ist ein kleines, aber gut ausgestattetes Ferienappartement in Poris de Abona. Der Ort liegt im kargen Südosten der Insel, von unserem Balkon kann man den Sonnenaufgang über dem Meer und bei günstigen Wetterverhältnissen  auch die etwa 120 km entfernte Nachbarinsel Gran Canaria sehen.

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Poris ist – zum Glück – ein kleiner Ort, nicht so zersiedelt und vom Tourismus verschandelt wie manche andere auf der Insel. Der Ort hat einen Supermarkt und eine nette Kneipe mit nicht mal 20 Sitzplätzen, einen etwas abgelegenen Leuchtturm, ansonsten gibt es nicht viel zu entdecken. Daher machen wir ausgiebig von unserem Mietwagen Gebrauch, mit dem wir die Insel erkunden.

Montag: Wir besuchen den Süden der Insel, der über die größten Strände verfügt. Hier zeigt sich, was Teneriffa der Massentourismus und der Bauboom vor der Finanzkrise angetan hat. Wie Krebszellen fressen sich Siedlungen, Appartementanlagen und Hotelkomplexe den Hang hinauf – alles scheint ohne stadtplanerisches Konzept angelegt. Ganz schlimm. Trotzdem finden wir ein ganz nettes Strandrestaurant, in dem wir Thunfisch mit kanarischen Kartoffeln und Mojo Verde essen. Lecker.

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Wir verlassen die Küste und fahren Richtung Insel-Inneres. Dabei staunen wir über die riesigen Höhenunterschiede. Immerhin erhebt sich der Gipfel des Teide 3.718 Meter hoch über den Meeresspiegel und ist damit immerhin der höchste Berg Spaniens. Das Mietauto hat mit den Serpentinen ganz schön zu kämpfen, die sich die Hänge hochschrauben. Faszinierend sind die unterschiedlichen Vegetationszonen: Unten Kakteen und Sträucher, dann kommen Wälder mit langhaarigen Fichten, ganz oben auf 2.000 Metern wächst fast gar nichts mehr, Wolken verhüllen die Sicht, es nieselt, kahle Lavafelder sehen so aus, als wären sie eben erst erkaltet. Wir fahren am Rand des Nationalparks vorbei und staunen über die wilde und eigentümliche Natur. Hierher wollen wir bei bessen Wetter- und Sichtverhältnissen zurückkehren.

Dienstag: Wir machen einen Ausflug Richtung Norden an der Küste entlang und landen in Santa Cruz de Tenerife. Der erste Eindruck der Stadt ist nicht sehr ansprechend: Man fährt erstmal durch Industriegebiete und Raffineriegelände, ehe man ins geschäftige Stadtzentrum kommt. Wir schlendern herum, schauen uns den Hafen an, bummeln durch die Stadt und finden einen sehr hübschen Stadtpark mit Gewürzbeeten und blühenden Bäumen und Sträuchern, wo wir einen Kaffee trinken.

Das Highlight des Tages ist eine sehr originelle Kneipe, in der wir wunderbar essen.

Den Abend lassen wir in Poris im Café a Mar ausklingen, wo wir einen der raren Sitzplätze ergattern können.

Mittwoch: Heute ist morgens erstmals klares Wetter – ohne Bewölkung im Landesinneren. Wir starten daher sehr früh Richtung Nationalpark – diesmal aber nicht von Süden her, sondern von Nord-Osten. Wir folgen der Grat-Straße, die uns schwindelerregende Aussichtspunkte auf die Ostseite und auf die Westseite der Insel gewährt, und nähern uns dem majestätischen Gipfel des Teide. Die Vulkanlandschaft der Canadas  ist wirklich spektakulär, und man kann nur erahnen, welche Gewalten bei der Erschaffung der Inselgruppe am Werk waren. Immer wieder halten wir an, um Farben und Formen der Lavafelder zu bewundern und den riesigen Krater zu bestaunen. Trotz unserer Jacken ist der Aufenthalt im Freien – wegen der empfindlich kalten Außentemperatur und des pfeifenden Windes – allerdings äußerst ungemütlich.

Nachdem wir den Tag über viel im Auto gesessen sind, machen wir abends eine kleine Wanderung zum Leuchtturm von Poris.

Donnerstag: Wir entscheiden uns zu einem Abstecher nach El Medano, einem Hotspot für Surfer. Bei strammem Wind können wir Kite- und Windsurfer bei ihren spektakulären Ritten durch die Brandung bewundern.

 

Auf dem Rückweg folgen wir dem Tipp unserer Vermieterin und machen Station in einem Fischerdorf, wo wir in einer kleinen Kneipe hervorragend Fisch essen. Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt!!!

Freitag: Auf der Suche nach lohnenden Ausflugszielen sind wir auf La Laguna gestoßen, eine kleine Stadt im Landesinneren. Sie hat einen ganz hübschen Ortskern, in dem wir uns eine Weile herumtreiben. Später fahren wir weiter nach Puerto de la Cruz im Westen der Insel. Hier staunen wir über die völlig andere Flora: Der Westen ist viel grüner als unser karger Osten. Auch hier finden wir ein paar nette Ecken. Am Hafen finden wir eine offensichtlich stark frequentierte Kneipe, in der wir wieder hervorragend Fisch essen.

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Samstag: Heute wollen wir uns die Pyramiden von Güimar anschauen. Ein netter Museumskomplex, der die mysteriösen Steinbauten einschließt, ist dem Forscher Thor Heyerdahl gewidmet. Dieser vertrat die These, dass möglicherweise ein früher Austausch (vor den Wikingern und Christoph Kolumbus) zwischen unterschiedlichen Kulturen dazu führte, dass sowohl im Mittleren Osten, Ozeanien als auch auf dem amerikanischen Kontinent Pyramiden angelegt wurden, und bewies durch seine Expeditionsreisen, dass so ein Austausch möglich gewesen wäre. Neben dieser Thematik erfährt man auch viel über die Geschichte der Kanaren, über seine Entstehungs- und Siedlungsgeschichte, über seine endemische Pflanzenwelt und über seine wechselhafte Wirtschaftsgeschichte.

Sonntag: Und schon ist die Woche vorbei. Ein letztes Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die aufgehende Sonne, ein letzter Blick auf den Atlantik mit seinen Schaumkronen, dann wird der Koffer gepackt und es geht zurück ins kalte Deutschland. Teneriffa, Du warst keine Liebe auf den ersten Blick für mich. Die Menschen sind nicht sehr gut mit Dir umgesprungen. Man hat Dich kahlgeholzt, zersiedelt und verschandelt. Daher weiß auch nicht, ob ich Dich nochmal wiedersehen will. Aber es war auf alle Fälle eine erholsame Woche voller interessanter neuer Eindrücke.

 

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Sal – Insel über dem Wind

Türkisfarbener Atlantik, weißer Sandstrand, Sonne satt und Hängematte – so wünschte sich meine Tochter nach dem Abitur ihre Ferien. Auf Sal, einer Insel der Kapverden, haben wir genau das gefunden.

Die Anreise war anstrengend: Wir starteten morgens um kurz nach acht mit der Bahn Richtung Stuttgart. Ein ICE brachte uns zum Flughafen Frankfurt. Mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP ging es dann zunächst nach Lissabon. Erst nach sechs Stunden startete der Weiterflug nach Sal. Bis wir schließlich im Hotel ankamen, dürften rund 20 Stunden Reisezeit vergangen sein.

Eingemietet hatten wir uns im Hotel Odjo d’Agua, einer netten, nicht zu großen Anlage. Für einen Aufpreis hat unser Zimmer einen herrlichen Blick über den ganzen Strand von Santa Maria, und von meinem Bett aus kann ich die Surfer die Brandungswellen reiten sehen. Das Rauschen der Wellen, die sich unter uns an den Felsen brechen, wiegt uns abends in den Schlaf. Wir wohnen Luftlinie nicht mehr als 15 Meter vom Wasser entfernt. Auch die ersehnte Hängematte hat sich gefunden: Jedes Zimmer besitzt eine. Im Halbschatten unserer Terrasse lässt es sich darin trefflich dösen und lesen, es ist der Lieblingsplatz meiner Tochter geworden.

Sal ist eine winzige Insel, ein Fliegenschiss im Ozean, rund zwanzig Kilometer lang und zehn Kilometer breit. An Sehenswürdigkeiten bietet sie nicht allzu viel. Alle Arten von Wassersport kann man hier treiben: Segeln, Tauchen, Wellenreiten, Jet-Ski und weitere Sachen, deren Namen ich nicht mal weiß. Und wenn der Passat bläst, wird Sal zu einem Hotspot der Kite-Surfer. Im Moment bin ich aber ganz froh, dass der Wind nicht ganz so bläst – ich kann mir vorstellen, dass man dann am Strand wie ein Schnitzel paniert wird. Jedenfalls ist das Wasser so klar, dass wir beim Frühstück in etwa zehn Meter Entfernung einen Fischschwarm im Wasser verfolgen konnten.

Das Wetter hat uns anfangs ein bisschen enttäuscht. Am ersten Tag empfing uns ein wolkenverhangener Himmel. Inzwischen haben wir gelernt, dass das an den meisten Tagen so ist, aber die Wolken dann doch meist aufreißen. Und dann muss man sich echt in Acht nehmen von der Sonne, die senkrecht vom Himmel brennt. Wegen des Windes merkt man gar nicht, wie schnell man sich einen Sonnenbrand einfängt.

Unser Hotel liegt am Anfang der langgezogenen Bucht von Santa Maria. Das touristische Zentrum findet mal einige hundert Meter entfernt am Anlegesteg. Hier haben Tauch- und Surfschulen ihre Basen und gehen fliegende Händler auf Kundenfang. Auch landen Fischer hier ihren Fang an. Die Männer liegen anschließend dösend auf den Netzen, während die Frauen die Fische gleich vor Ort schuppen und filetieren. Thunfisch ist hier eine Spezialität, und wir sahen auch, wie dieser auf dem Kai zerlegt wurde. Sogar ein Schwertfisch war dabei –  und kleinere Fische, die ich nicht identifizieren konnte. Die Einheimischen zerlegen die Fische gleich vor Ort, Kopf ab, Schwanz und Flossen ab, für mich ein Indiz, dass der Fang nicht für einen Markt bestimmt ist, sondern gleich in die Küchen der Restaurants wandert. Ich probierte hier Fischspieße und Fischsuppe, Spaghetti mit Meeresfrüchten – für Menschen, die Fisch mögen, ist Sal ein echtes Eldorado. Auch eine spezielle Art Muscheln wird hier offensichtlich gern gegessen. Diese sehen allerdings nicht aus wie Muscheln, eher wie Austern oder Korallen. Sie haben eine kegelförmige, sehr borkige Gestalt und schmale, kraterförmige Öffnungen, aus denen der Esser mit einem speziellen Edelstahl-Dorn das Fleisch herausfuhrwerkt.

An einem Vormittag machten wir einen Ausflug zum Markt. Ich weiß nicht, ob wir zu spät waren, aber es waren nur zwei oder drei Obst- und Gemüsestände in Betrieb – und die Auswahl war überschaubar. Eines der Highlights war unser abendliches Barbeque am Strand. Ein leckeres Buffet mit gegrilltem Huhn und Thunfisch, offenes Feuer brannte am Strand, ein Piano spielte, über uns romantisch beleuchtete Palmen – und unser Tisch nur fünf Meter vom Meer entfernt. Ein Feuerschlucker zeigte seine Kunststücke, ein Paar führte temperamentvolle kapverdische Tänze vor.  Zum Schluss tanzte die ganze Gästeschar mit.

Ansonsten haben wir jeder etwa täglich ein Buch gelesen und waren ansonsten unendlich faul. Und ich denke, das hatten wir uns nach den ganzen Abitur-Aufregungen auch verdient….

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1. Juli 2016 – School ’s out

Das Kind ist seit halb fünf in der Frühe wach. Hibbelig. Telefoniert um kurz nach sieben laut und aufgeregt mit einer Freundin. Nimmt vor acht Uhr feste Nahrung zu sich und ist ansprechbar. Das war nicht immer so. Oh nein! Aber heute ist der allerletzte Schultag.

Das Kind hat jetzt Abitur. Anfang April begannen die schriftlichen Prüfungen (Deutsch, Mathematik, Englisch, Religion), vorgestern stand die mündliche Prüfung in Musik an (Goethes „Nur wer die Sehnsucht kennt“  – Vergleiche der Vertonungen von Beethoven und Tchaikovsky). Tchaikovskys Vertonung selbst gesungen.  14 Punkte!Damit einen Abitur-Schnitt von 2,5 erreicht!

Rückblende:

So startete das Kind (5) seine Schul-Karriere:  Im September 2004 wurde es in die 1 b der Kreuzäcker-Grundschule eingeschult.

2004

Ab September 2008 besuchte es die Gymnasialklasse das Evangelischen Schulzentrums Michelbach.

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Und nun?

Letzter Schultag und Abi-Ball – ein Abend voller Euphorie und ein bisschen Wehmut. Und ein sehr glamouröses, ehemaliges Kind (17).

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Es bleiben Erinnerungen an sehr engagierte Lehrer – aber auch einige fragwürdige. Erinnerungen an Erfolge (vor allem in Deutsch, Sprachen, Literatur, Musik) , aber auch manche Niederlage (vor allem in den Naturwissenschaften :-/ ) Erinnerungen an wunderbare Aufführungen (Kindermusicals, Chöre, Jugend musiziert etc.), in der das Mutterherz bis zum Hals hüpfte vor Freude – genauso aber auch an Phasen mit großen Sorgen und Nöten. An nette Schulfreunde, die mir ans Herz wuchsen.  Ich bin dankbar, dass das Kind in allen Phasen seiner Schulzeit gute Begleiter und Unterstützer gefunden hat, die es auch durch problematische Phasen brachten. Ein besonderer Dank gilt meinem Vater, mit dem ich  zwölf Jahre lang Schulfreuden und Schulleiden des Kindes teilen konnte.  Wir haben sicherlich hunderte Stunden lang telefoniert oder zusammengesessen.

 

 

Wie geht’s jetzt weiter?

Mit einem freiwilligen sozialen Jahr in der diakonischen Einrichtung Jugendhilfe Friedenshort in Öhringen ab September.

 

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Zaungast bei der World Federation of Company Sport 3

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Freitag ist Tag 2 der Wettkämpfe der World Federation of Company Sport. Die Golfer haben noch lahme Beine von gestern und den ersten Muskelkater. Die Petanque-Spieler müssen ganz früh aufstehen, andere starten erst sehr spät (Leichtathletik). Die Schachspieler hatten ja den ersten Tag  frei und beginnen ihren Wettkampftag erst heuten, dafür aber stilvoll mit einem Glas Sekt am Frühstücksbuffet. So ist recht.  Abends werden dann Spielstände verglichen und Erlebnisse ausgetauscht. Erfolgreichste Einzelsportlerin ist Kollegin Helga, die in fünf Leichtatlethik-Disziplinen in ihrer Altersklasse startete und mit vier Gold- und einer Silbermedaillen nach Hause fahren kann. Herzlichen Glückwunsch!  Freitag Abend feiern wir auch in den Geburtstag von Kollegin Andrea hinein. Um Mitternacht gibt es ein Ständchen und Sekt für alle. Hier noch ein paar sportliche Impressionen.

Samstag ist der dritte und letzte Wettkampftag, der mit einem Abschlussevent in Palma endet. Leider sind nicht alle unsere Sportler dabei, da sich die Goldturniere bis in den Abend hinein erstrecken.  Krönendes Finale ist ein wunderbares Feuerwerk, das man auch noch vom Mannschaftsquartier in Illetas aus bewundern kann.

Sonntag heißt es dann nach einer sonnigen und fröhlichen Woche Abschied nehmen von den 22 Kolleginnen und Kollegen. Einige sind mir richtig ans Herz gewachsen, so dass ich mir durchaus wieder vorstellen könnte, dabei zu sein, wenn es im nächsten Jahr zu den Europäischen Betriebssportspielen im belgischen Gent geht.

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Zaungast bei der World Federation of Company Sport 2

 

P1010244Am Mittwoch ging es zur Akkreditierung und zur Eröffnungsfeier in das nahe gelegene Palma, die Hauptstadt Mallorcas. Im Parc de la Mar trafen sich die Sportler aus den unterschiedlichsten Nationen. Frankreich ist wohl am stärksten vertreten – und durch ihre einheitliche Ausrüstung mit weißen Hüten, blauen Trikots und Trikolore-Fahnen gaben die französischen Teilnehmer ein tolles Bild ab. Besonders gute Stimmung verbreiteten die Jung von Airbus, die große aufgeblasene Flugzeuge schwenkten und auch sonst für jeden Quatsch zu haben waren. Die Eröffnungsfeier an sich war ein bisschen merkwürdig – mit einem Moderator, der nicht besonders gut vorbereitet schien und recht schlecht englisch sprach, einem Orchester, das nicht angekündigt wurde, etlichen Grußworten von Honoratioren (für die sich niemand interessierte) und einem Einmarsch der Gladiatoren, der von Ordnern in schrillen Trillerpfeifen begleitet wurde. Es war ja eigentlich auch kein Publikum da, das den Einmarsch feierte. So feierten sich die Teilnehmer selber.  Dann gab es noch eine Kultur-Einlage mit mallorquinischer Musik (bestehend aus Dudelsack und Trommel) und zwei Tänzern und weißen Overalls mit grünen und roten Flecken und einer Hörnermaske und einem großen Pfahl in den Händen, die sich umkreisten und einen Kampf andeuteten. Und zum Abschluss machte ein DJ Musik, zu der sich ein Tänzer mit freiem Oberkörper und zwei leicht bekleidete Tänzerinnen lasziv, aber etwas gelangweilt auf der Bühne bewegten. Nun ja, ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber das jedenfalls nicht.

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Am nächsten Morgen starteten dann unsere Sportler zu  ihren Wettkämpfen. Manche mussten extrem früh los, andere konnten entspannt frühstücken und erst mittags ihre Wettkampfstätten aufsuchen. Der versprochene Shuttle-Service funktionierte meist nicht, und so waren die meisten Sportler erstmal hektisch damit befasst, sich Taxis oder Mitfahrgelegenheiten zu organisieren. Nur unsere Schachspieler  hatten noch einen freien Tag, den sie erstmal mit Sektfrühstück einläuteten. Über das Schachspielen habe ich bei der Gelegenheit nicht viel gelernt, eigentlich nur, dass es immer auf den Gegner ankommt.  Äh ja.

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